Handelskapital und Industriekapital

    • Handelskapital und Industriekapital

      Der Handel ist älter als der Kapitalismus und Handelskapital war die historisch erste Form des Kapitals überhaupt. Der Zweck des Handels heißt billig einkaufen und teuer verkaufen. Dieser Zweck scheint dem kapitalistischen Prinzip des Austauschs gleicher Werte zu widersprechen und Händler – als Geldhändler wie als Warenhändler – galten in vielen Kulturen als Verkörperung der Lüge, des Betruges, der Übervorteilung. Diesen schlechten Ruf haben sich die Händler in alter Zeit redlich verdient: „Solange das Handelskapital den Produktenaustausch unentwickelter Gemeinwesen vermittelt, erscheint der kommerzielle Profit nicht nur als Übervorteilung und Prellerei, sondern entspringt großenteils aus ihr.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 343
      Im entwickelten Kapitalismus besitzt das Handelskapital immer noch Mittel, um seine Käufer übers Ohr zu hauen, aber Betrug und Übervorteilung macht nicht mehr das Wesen des Handels aus.
      Das Wesen des Handels im Kapitalismus ist die ständige Verwandlung von Warenkapital in Geldkapital und von Geldkapital in Warenkapital.

      Das industrielle Kapital produziert zwar Waren, aber kein Geld. Damit der kapitalistische Produktionsprozess immer wieder von Neuem beginnen kann, muss die produzierte Ware erst in Geld verwandelt werden.
      Der Gesamtkreislauf des Kapitals sieht so aus:
      Geld verwandelt sich in die Warensorten Produktionsmittel und Arbeitskraft W(prod+arb) . In der Produktion wird Neuware W‘ von vergrößertem Wert produziert. Diese Neuware W‘ wird verkauft und damit in Geld G‘ verwandelt. Erst mit diesem (vermehrten) Geld G‘ kann die Produktion auf gleicher oder auch vergrößerter Stufenleiter fortgesetzt werden.

      Als Kurzformel sieht dieser Kreislauf so aus:
      G – W(prod+arb) ... Produktion ... W‘ – G‘.

      Es gibt in diesem Kreislauf zwei Phasen der Zirkulation und eine Phase der Produktion.
      Der Ankauf der Produktionsmittel (G – Wprod+arb) findet ebenso in der Zirkulation statt wie der Verkauf der Neuware (W‘ – G‘).
      Auf diese beiden Phasen der Zirkulation konzentriert und spezialisiert sich das Handelskapital im Kapitalismus.
      „Die Verwandlung von Ware (Produkt) in Geld und von Geld in Ware (Produk­tions­mittel) ist eine notwendige Funktion des industriellen Kapitals und daher not­wendige Operation des Kapitalisten ... Der Kaufmann, indem er diese Operatio­nen vollzieht ..., tritt bloß an die Stelle des industriellen Kapitalisten.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 300f.

      „Das Warenhandlungskapital nun ist nichts als die verwandelte Form eines Teils dieses beständig auf dem Markt befindlichen, in dem Prozess der Verwandlung befindlichen und stets von der Zirkulationssphäre umfangenen Zirkulationskapitals....“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 279f.

      Um das zu illustrieren, nehme ich als Beispiel ein Kapital von 100. (Die 100 mögen Milliarden oder Billionen Euro oder auch eine Prozentangabe darstellen.)
      Mit diesem Kapital von 100 wird in der Produktion eine Produktmenge W‘ im Wert von 120 geschaffen. Diese Produktmenge W‘ = 120 wurde allein vom industriellen Kapital geschaffen. Ihr Wert teilt sich wie alle Ware in konstantes Kapital c plus variables Kapital v plus Mehrwert. Als Formel: W‘ = c + v + m = 120, wobei m = 20.
      Das Gesamtprodukt von W‘= 120 muss komplett versilbert, in Geld verwandelt werden, sonst wurde Arbeit und Produktionsmittel verschwendet.

      Einen Teil der Produktionsmittel verkaufen die industriellen Kapitalisten direkt untereinander. In Deutschland macht das gegenwärtig knapp ein Drittel des Produktionsvolumens aus.
      Von dem Gesamtprodukt W‘=120 werden also rund W‘= 40 ohne Zwischenhandel von Kapitalist an Kapitalist verkauft und in Geld verwandelt. Die Produktmenge W‘=40, die die industriellen Kapitalisten untereinander kaufen und verkaufen, enthält prozentual so viel Mehrwert wie das Gesamtprodukt, also 20% oder 8. Die W‘=40 teilen sich also auf in W‘= 32(c + v) + 8m.

      Bleibt noch die Produktmenge von W‘=80, die verkauft werden muss. Diese 80 enthalten ebenfalls 20 % Mehrprodukt, macht 16m. Die verbliebenen W‘=80 teilen sich also in W‘= 64(c + v) + 16m.

      Da die industriellen Kapitalisten die noch nicht verkauften Waren W‘=80 nicht ohne die Handelskapitalisten in Geld verwandeln können, teilen sie den verbliebenen Mehrwert 16m mit dem Handelskapital.
      Im entwickelten Kapitalismus wird „der kaufmännische Profit reduziert auf den Anteil des Gesamtmehrwerts, der dem Handelskapital als einem Anteil des im gesellschaftlichen Reproduktionsprozess beschäftigen Gesamtkapitals zukommt.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 298.

      „Da das Kaufmannskapital selbst keinen Mehrwert erzeugt, so ist klar, dass der Mehrwert, der in der Form des Durchschnittsprofits auf es fällt, einen Teil des von dem gesamten produktiven Kapital erzeugten Mehrwerts bildet.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 293.
      Es ist also das Mehrprodukt von W‘=16m in dem Verhältnis ihrer jeweiligen Kapitalgrößen von Industriekapital und Handelskapital zu teilen.
      Wenn wir annehmen, dass sich das ursprüngliche Kapital von 100 aufteilt in ein industrielles Kapital von 81 und ein Handelskapital von 19, dann ist anzunehmen, dass auf das Industriekapital 81% des verbleibenden Mehrwerts entfällt und auf das Handelskapital entfallen 19 % des Mehrwerts. Das industrielle Kapital beansprucht also 81% des Mehrwerts von W‘=16m, macht rund gerechnet W‘=13m. Das Handelskapital beansprucht 19 Prozent des Mehrwerts von 16m, macht W‘=3m.

      Der Profit, den ein Kapital bestimmter Größe abwirft, ist im Handel mehr oder minder derselbe wie in der Industrie.
      „... Da die Zirkulationsphase des industriellen Kapitals ebenso sehr eine Phase des Reproduktionsprozesses bildet wie die Produktion, muss das im Zirkulationsprozess selbständig fungierende Kapital ebenso sehr den jährlichen Durchschnittsprofit abwerfen wie das in den verschiedenen Zweigen der Produktion fungierende Kapital. Würfe das Kaufmannskapital einen höheren prozentualen Durchschnittsprofit ab als das industrielle Kapital, so würde sich ein Teil des industriellen Kapitals in Kaufmannskapital verwandeln. Würfe es einen niedrigeren Durchschnittsprofit ab, so fände der umgekehrte Prozess statt. Ein Teil des Kaufmannskapitals würde sich in industrielles verwandeln. Keine Kapitalgattung hat größere Leichtigkeit ... ihre Funktion zu ändern, als das Kaufmannskapital.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 293.
      „Aber die Frage ist nun die: Wie zieht das Kaufmannskapital den ihm zufallenden Teil des vom produktiven Kapital erzeugten Mehrwerts oder Profits an sich? Es ist nur Schein, dass der
      kaufmännische Profit bloßer Zuschlag, nominelle Erhöhung des Preises der Waren über ihren Wert ist.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 293.

      Die industriellen Kapitalisten verkaufen das verbliebene Warenkapital von W‘=80 NICHT zu ihrem vollen Wert an die Handelskapitalisten, sondern abzüglich des Handelsprofits von W‘=3. Das industrielle Kapital verkauft das Warenkapital für 77 an das Handelskapital und der Handel verkauft dann dieses Produkt für 80 an die Verbraucher. So realisiert der Handel den Mehrwert 3m. Das ist das Geheimnis des Handelsprofits. Der Handel verkauft teurer als er einkauft. Aber sein Verkaufspreis steht NICHT ÜBER dem Wert der Ware. Der Handel verkauft die Waren zu ihrem Wert. Es ist sein Einkaufspreis, der UNTER dem Wert der Ware steht.
      Das Gesamtkapital verwandelt damit sein Gesamtprodukt von W‘=120 einschließlich des Mehrwerts 20 in Geld. Die Verwandlung von Ware in Geld ist damit vollzogen und der Kreislauf des Kapitals kann von Neuem beginnen.

      Angenommen, die Kaufleute können die Warenmenge 80 nicht oder nicht vollständig verkaufen, dann können sie die nächsten 80 aus dem nachfolgenden Produktionsprozess nicht kaufen. Sie haben ja die vorherige Warenmenge noch nicht zu Geld gemacht.
      „Es tritt dann Stockung ein, Unterbrechung der Reproduktion. ... Hier zeigt es sich also in der Tat handgreiflich, dass die Operationen des Kaufmanns weiter nichts sind als die Operationen, die überhaupt verrichtet werden müssen, um das Warenkapital des Produzenten in Geld zu verwandeln... .“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 281.

      „Das Kaufmannskapital ist nichts als innerhalb der Zirkulationssphäre fungierendes Kapital. ... Aber im Zirkulationsprozess wird kein Wert produziert, also auch kein Mehrwert. Es gehen nur Formveränderungen derselben Wertmasse vor. ... Wird beim Verkauf der produzierten Ware ein Mehrwert realisiert, so, weil dieser bereits in ihr existiert ...“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 290f.
      „Im Gegenteil. Soweit diese
      Verwandlungen Zirkulationszeit kosten – eine Zeit, innerhalb deren das Kapital überhaupt nicht, also auch keinen Mehrwert produziert –, ist sie Beschränkung der Wertschöpfung, ... Das Kaufmannskapital schafft daher weder Wert noch Mehrwert, d. h. nicht direkt.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 291.
      Das Handelskapital hilft aber indirekt, das Gesamtprodukt und damit auch den produzierten Mehrwert zu vergrößern:
      „Sofern es zur Abkürzung der Zirkulationszeit beiträgt, kann es indirekt den vom industriellen Kapitalisten produzierten Mehrwert vermehren helfen.
      Soweit es den Markt ausdehnen hilft und die Teilung der Arbeit zwischen den Kapitalisten vermittelt, also das
      gesellschaftliche Kapital befähigt, auf größerer Stufenleiter zu arbeiten, befördert seine Funktion die Produktivität des industri­ellen Kapitals und dessen Akkumulation.
      Soweit es die Umlaufszeit abkürzt, erhöht es das Verhältnis des Mehrwerts zum vorgeschossenen Kapital, also die Profitrate.
      Soweit es einen geringeren Teil des Kapitals als Geldkapital in die Zirkulationssphäre einbannt, vermehrt es den direkt in der Produktion angewandten Teil des Kapitals.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 291.

      Nehmen wir an, die Arbeitsproduktivität im Handel steigt, dann wird in kürzerer Zeit und von weniger Lohnarbeitern im Handel dieselbe Warenmenge umgeschlagen. Die produktiveren Händler konzentrieren mehr Umsatz auf sich und vertreiben die weniger produktiven Geschäfte. Die Zahl der Geschäfte und die im Handel beschäftigten Arbeiter sinken. Dann nimmt das Handelskapital einen relativ geringeren Umfang des Gesamtkapitals ein.
      Statt wie oben angenommen, macht das Handelskapital nicht mehr 19% des Gesamtkapitals, sondern vielleicht 10%. Dann entfallen auch nicht mehr 19%, sondern nur noch 10% des Gesamtprofits auf das Handelskapital. Von einer Warenmenge 80 mit einem darin enthaltenen Mehrwert von 16m erhält das Handelskapital statt 3m nur noch 1,6m. Der Profit des industriellen Kapitals wächst von 13m auf 14,4m.
      Das erklärt die Gelassenheit aller Kapitalisten, wenn im Handel tausende Verkäuferinnen auf die Straße geworfen werden. Dadurch hebt sich der Profit aller anderen Kapitalisten.

      Was Marx vom Handelskapital sagt, dass es INDIREKT das gesellschaftliche Kapital und den produzierten Mehrwert vergrößern kann, gilt selbstverständlich auch von den Zirkulationsarbeitern, die das Handelskapital beschäftigt und ausbeutet.
      Es ist ganz falsch zu sagen, die Zirkulationsarbeit und die Zirkulationsarbeiter seien unproduktiv.
      Marx definiert den produktiven Arbeiter im Kapitalismus doppelt: „Nur der Arbeiter ist produktiv, der Mehrwert für den Kapitalisten produziert oder zur Selbstverwertung des Kapitals dient.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 532.
      Die Zirkulationsarbeiter produzieren nicht direkt Mehrwert. Ihre Aufgabe für das Kapital ist eine andere als die der Industriearbeiter. Ihre Arbeit dient nur indirekt der Mehrwertproduktion, aber ihre Arbeit dient direkt und unmittelbar der Selbstverwertung des Kapital bei seinen Verwandlungen von Geldkapital in Warenkapital und von Warenkapital in Geldkapital. Deshalb sind die Zirkulationsarbeiter Teil des produktiven Gesamtarbeiters im Kapitalismus.

      „Der kommerzielle Arbeiter produziert nicht direkt Mehrwert. Aber der Preis seiner Arbeit ist durch den Wert seiner Arbeitskraft, also deren Produktionskosten, bestimmt, während die Ausübung dieser Arbeitskraft, als eine Anspannung, Kraftäußerung und Abnutzung, wie bei jedem anderen Lohnarbeiter, keineswegs durch den Wert seiner Arbeitskraft begrenzt ist. Sein Lohn steht daher in keinem notwendigen Verhältnis zu der Masse des Profits, die er dem Kapitalisten realisieren hilft. Was er dem Kapitalisten kostet, und was er ihm einbringt, sind verschiedene Größen. Er bringt ihm ein, nicht indem er direkt Mehrwert schafft, aber indem er die Kosten der Realisierung des Mehrwerts vermindern hilft, soweit er, zum Teil unbezahlte, Arbeit verrichtet.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 311.

      (Diese Gedanken reiften bei winterlichen Wanderungen im Harz und sind meinem verschollenen Mitstreiter und Genossen Robert Schlosser gewidmet)

      Wal Buchenberg, 19. Dezember 2016

      Siehe auch:
      Tengelmann und der deutsche Lebensmittelmarkt

      Wie machen Banken Geld?

      Welt des Geldes und Welt der Waren

      Wo das Kapital in Deutschland produziert wird

      Der kapitalistische Profit
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Der Profit des handelskapitals wird hier sehr genau nachgezeichnet und belegt. „Da das Kaufmannskapital selbst keinen Mehrwert erzeugt, so ist klar, dass der Mehrwert, der in der Form des Durchschnittsprofits auf es fällt, einen Teil des von dem gesamten produktiven Kapital erzeugten Mehrwerts bildet.“ K. Marx,Kapital III, MEW 25, 293.


      Wier ist es mit dem Profit des Finanzkapitals? Zunächst wäre zu klären, was „finanzkapital“ eigentlich bedeutet, denn bei Marx taucht der Begrifff mE nicht auf. Ist Geldkapital oder Bankkapital gemeint, oder, wie bei lenin, finanzkapital aus der verschmelzung vonindustrie- und bankkapital ? Und da könnte man heute sagen, dass ein jedes kapital ab einer bestimmten größe zum finanzkapital tendiert und dieses der bestimmende sektor geworden ist. Wie verhält es sich nun aber mit den immensen gewinnen? Natürlich werden fiktive werte gehandelt, die keine realen widerspiegeln, bzw nur sehr entfernt, da jeder titel als derivat dutzendfach existieren kann.
      „Für die Vulgärökonomie, die das Kapital als selbständige Quelle des Werts, der Wertschöpfung, darstellen will, ist natürlich diese Form ein gefundenes Fres­sen ...“ K.Marx, Kapital III, MEW 25, 405f.

      traditionellere marxisten gehen davon aus, dass der aus der prodduktion abgeschöpfte und überakkumulierte mehrwert keine produktive anlagemöglichkeit mehr findet und daher in den finanzsektor strömt, der die höchsten renditen verspricht. dieser klärt aber nicht die ungeheure ausdehnung dieses sektors, der den realen um ein vielfaches übersteigt. hier scheint es mir eher so zu sein dass kredite in den finanzsektor gepumpt werden, also geld als kredit quasi aus dem nichts entsteht, (jede geschäftsbank kann ja geld schöpfen) und wie marx im dritten band bereits gezeigt hat, jeder nominalwert mehrfach in umlauf ist, als fiktives kapital, welches natürlich ganz real wirtschaftet (Kredit zur produktiven verausgabung) oder als derivat vielfach gehandelt wird (spekulation). Laut wertkritik wäre dies dann eine hypothek auf zukünftig noch in der produktion zu erzeugenden mehrwert.
      Denn es kann ja nicht sein, dass jeder profit aus der finanzsphäre ein geteilter profit des industrie mit dem geldkapital ist. Das ist schon durch die schiere ausdehnung des finanzsektors unmöglich, der um ein vielfaches größer ist. Andererseits, durch die entkopplungvon arbeit/ausbeutung und wenn wir handelprofite jetzt außen vorlassen, bei denen jemand „übervorteilt“ wird, scheinen bei steigenden kursen ja dann alle beteiligten zu gewinnen, hier bleibt die frage der verwertung und dem verhältnis der "realwirtschaft" zum "finanzsektor" (die sich funktionell, empirisch und historisch ja überhaupt nicht trennen lassen sowie deren krisenhaftigkeit, weil der finanzsektor denn produktiven ja aus der seit den 1970ern schwelenden überproduktionskrise gerettet hat, selbst aber - wie wir 2008ff gesehen haben und auf kosten der allgemeinheit, die die verluste zu sozialiseren gezwungen wurde- höchst krisenanfällig ist.
    • Nochmals zum "Finanzkapital"

      Raoul wrote:

      Der Profit des handelskapitals wird hier sehr genau nachgezeichnet und belegt.
      Wie ist es mit dem Profit des Finanzkapitals?
      Wenn damit das Geldhandlungskapital (Banken und Versicherungen) gemeint ist, dann trifft darauf dasselbe zu, was für das Kaufmannskapital entwickelt ist. Marx unterteilt das Handelskapital in Geldhandlungskapital und Warenhandlungskapital. Beide beschleunigen den Kapitalumschlag und ökonomisieren/verbessern die Kapitalverwertung in der Zirkulationssphäre. Beide vergrößern damit auf ihre je eigene Weise das gesellschaftliche Gesamtkapital wie für oben für das Handelskapital entwickelt.

      Raoul wrote:

      Zunächst wäre zu klären, was „finanzkapital“ eigentlich bedeutet, denn bei Marx taucht der Begriff mE nicht auf. Ist Geldkapital oder Bankkapital gemeint, oder, wie bei lenin, finanzkapital aus der verschmelzung von industrie- und bankkapital ?
      Ich halte es für grundsätzlich unerklärbar, was "Finanzkapital" bedeutet. Der Begriff ist nicht wissenschaftlich. Jeder benutzt diesen Begriff und jeder benutzt ihn anders, aber in jedem einzelnen Fall ist der Begriff verschwommen und irreführend.
      Lenin macht da keine Ausnahme. Er übernahm diesen Begriff "Finanzkapital" von dem deutschen Sozialdemokraten Hilferding, der Marx entweder nicht gelesen oder ihn nicht verstanden hatte.
      Der empirische Befund, auf den Hilferding diesen Begriff stützte, war das speziell deutsche Phänomen, dass das FORMELLE EIGENTUM von Industriebetrieben und Banken verschmolz, indem Banken die Aktien von Industrieunternehmen aufkauften. Weder in den USA noch in England gab es je Vergleichbares. Trotzdem bauten Hilferding und Lenin auf dieses deutsche Phänomen, das aus dem Kriegskapitalismus erwachsen ist, eine komplett neue kapitalistische Etappe.
      Davon abgesehen sagt das formelle Eigentum und gemeinsame Eigentum von Bankern und Unternehmern überhaupt nichts über die besondere Rolle und die speziellen Funktionen, die das Geld- und das Industriekapital im Gesamtprozess der Kapitalverwertung spielen. Das ist aber die Frage, die zu klären wäre. An diesen Rollen und Funktionen ändert sich durch neue Eigentümer nicht das Geringste.
      Geldkapital kann niemals mit dem Industriekapital "verschmelzen", einfach deshalb nicht, weil Geld und Geldkapital die Zirkulationssphäre behaust und das Industriekapital die Produktionssphäre. Dieser fundamentale Unsinn, dass die Zirkulationssphäre mit der Produktionssphäre "verschmilzt" unterstellen und behaupten Hilferding und Lenin und alle ihre Follower.

      Mein (verschollener) Mitstreiter Robert Schlosser quält sich schon länger mit einer richtigen Kritik am falschen Begriff "Finanzkapital" herum und versauert sich damit seine letzten Lebensjahre. X/

      Raoul wrote:

      traditionellere marxisten gehen davon aus, dass der aus der produktion abgeschöpfte und überakkumulierte mehrwert keine produktive anlagemöglichkeit mehr findet und daher in den finanzsektor strömt, der die höchsten renditen verspricht.

      Das ist meine Meinung, die von Robert Schlosser - und die von Marx.


      Raoul wrote:

      dieser klärt aber nicht die ungeheure ausdehnung dieses sektors, der den realen um ein vielfaches übersteigt.

      Doch genau das erklärt es.

      „Mit dem Wachstum des stofflichen Reichtums wächst die Klasse der Geldkapitalisten; es vermehrt sich einerseits die Zahl und der Reichtum der sich zurückziehenden Kapitalisten, der Rentiers; und zweitens wird die Entwicklung des Kreditsystems gefördert und damit die Zahl der Bankiers, Geldverleiher, Finanziers etc. vermehrt. - Mit der Entwicklung des disponiblen Geldkapitals entwickelt sich die Masse der zinstragenden Papiere, Staatspapiere, Aktien etc., wie früher entwickelt. Aber damit zugleich die Nachfrage nachdisponiblem Geldkapital, in dem die Jobbers, die in diesen Papieren Spekulationsgeschäfte machen, eine Hauptrolle im Geldmarkt spielen. ... Mit der Entwicklung des Kreditwesens werden große konzentrierte Geldmärkte geschaffen, wie London, die zugleich Hauptsitze des Handels in diesen Papieren sind. Die Bankiers stellen dem Gelichter dieser Händler das Geldkapital des Publikumsmassenhaft zur Verfügung, und so wächst diese Brut von Spielern.“ Karl Marx, MEW Bd. 25,S. 527, 528

      „Der bei weitem größte Teil des sogenannten akkumulierten Reichtums ist nur nominell und besteht nicht aus wirklichen Gegenständen, Schiffen, Häusern, Baumwollwaren, Landmeliorationen, sondern aus bloßen Rechtstiteln, Ansprüchen auf die künftigen jährlichen produktiven Kräfte der Gesellschaft, Rechtstiteln, erzeugt und verewigt durch die Auskunftsmittel oder Institutionen der Unsicherheit ... (William Thompson, „Inquiry into the Principles of the Distribution of Wealth", London 1850, p. 453. - Dies Buch erschien zuerst 1824.)“ zitiert nach Marx, MEW Bd. 23,S. 324



      Nehmen wir als Beispiel ein Unternehmer, der eine neue Fabrik baut und sich dafür 100 Millionen von der Bank leiht. Der Unternehmer bekommt die 100 Millionen und gibt sie vollständig aus für Zement, Bauwerke, Maschinen usw. Seine 100 Millionen sind verschwunden in produktiven Sachwerten, aus denen er - wenn alles normal läuft - vielleicht 15 Prozent Profit zieht. Mit der Bank hat er vereinbart, dass er jährlich aus seinem Profit 5% Zinsen an die Bank abführt.
      Die Bank führt deshalb die 100 Millionen als IHR KAPITAL (=Aktiva) in ihren Büchern - obwohl diese 100 Millionen längst die Hände gewechselt haben und in Ware umgesetzt wurden. Die 100 Millionen, die in der Fabrik stecken, sind real. Die 100 Millionen, die die Bank in ihren Büchern als "Kapital" führt, sind nur ein Versprechen, eine Hoffnung. Es ist fiktives Kapital.

      „Mit der Entwicklung des zinstragenden Kapitals und des Kreditsystems scheint sich alles Kapital zu verdoppeln und stellenweise zu verdreifachen durch die verschiedene Weise, worin dasselbe Kapital oder auch nur dieselbe Schuldforderung in verschiedenen Händen unter verschiedenen Formen erscheint. Der größte Teil dieses ‚Geldkapitals‘ ist rein fiktiv.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 488.
      „Alle diese Papiere stellen in der Tat nichts vor als akkumulierte Ansprüche, Rechtstitel auf künftige Produktion, deren Geld- oder Kapitalwert entweder gar kein Kapital repräsentiert, wie bei den Staatsschulden, oder von dem Wert des wirklichen Kapitals, das sie vorstellen, unabhängig reguliert wird.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 486.


      Bisher hatten sich unsere 100 Millionen nur verdoppelt. Aber sie können sich tatsächlich auch verdreifachen und vervielfachen. Die Bank kann nämlich den Kreditvertrag mit dem Unternehmer als Wertpapier komplett für beispielsweise 102 Millionen an einen Finanzinvestor weiterverkaufen. Die 100 Millionen haben sich für die Bank in 102 Millionen in wirklichem Geld verwandelt. Der Finanzinvestor hält nun ebenfalls 102 Millionen in seinen Büchern als Aktiva, als sein Kapital. WIr haben also 100 Millionen wirkliches (produktives) Kapital und daneben, aber scheinbar zusätzlich, noch 102 Millionen in wirklichem Geld (=potentielles Kapital) und daneben noch 102 Millionen fiktives Kapital. Kapitalistisch gerechnet sind das gut 300 Millionen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Die Bank hat ihre Schäfchen im Trockenen. Sobald der Industriebetrieb in Schwierigkeiten kommt und seine Schulden, die er jetzt beim Finanzinvestor hat, nicht mehr bedienen kann, lösen sich die 102 Millionen des Finanzinvestors einfach in Luft auf. Sie sind verschwunden, weil sie nur mit dem Anspruch existierten, am industriellen Mehrwert des Unternehmers teilzuhaben.

      Das kindliche Erstaunen und die Ehrfurcht vor dem aufgeblähten Finanzsektor ist tatsächlich eine kindliche Unkenntnis über den Kapitalismus.

      Raoul wrote:

      hier scheint es mir eher so zu sein dass kredite in den finanzsektor gepumpt werden, also geld als kredit quasi aus dem nichts entsteht, (jede geschäftsbank kann ja geld schöpfen)

      Dass jede Bank beliebig Geld schöpfen könnte, ist ein Ammenmärchen. Wäre es so, dann würde kein Banker mehr sich die Mühe mit (unsicheren) Kreditnehmern machen und keine Bank könnte pleite gehen. Gerade ist die italienische Bank Monte dei Paschi knapp mit dem Geld. Es fehlen dort rund 8 Milliarden Euro, meint die EZB. Warum schöpft sich diese Pleitebank nicht die 8 Milliarden, die sie braucht?

      Mit den "sagenhaften Profiten" der Bankenwelt ist es schon eine Weile vorbei.

      Aber auch für die so "schöne" Vergangenheit vor dem schnöden Crash 2008 war es scheinbar ein Rätsel, wo und wie das "Finanzkapital" Profite machen kann, die den "normalen" Profit der "Realwirtschaft" deutlich übertreffen. Aus nationaler Perspektive gesehen ist dieses Rätsel auch nicht lösbar. Innerhalb Deutschlands und Europa sind Profite von 20% oder mehr tatsächlich märchenhaft.
      Märchenhafte Profite winken allerdings außerhalb der kapitalistischen Kernzone. Die britische Bank HSBC, einer der großen Finanzplayers in der Welt, macht drei Viertel ihres Profits in Asien. Die Hongkonger Filiale von HSBC allein hatte im Jahr 2014 eine Profitrate auf ihr in Asien investiertes Kapital von 35%, aber außerhalb Asiens nur von 8%.

      Mein Rat: Sich von Zahlen nicht blenden lassen, und vorsichtshalber nochmal bei Marx nachlesen. Zum Beispiel hier:
      marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_b/banken.html


      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • hallo wal,

      ich denke ganz so einfach ist es nicht. natürlich kann eine bank nicht einfach geld drucken wie eine zentralbank (und auch die muss fiskalische und politische vorgaben ua zur geldwertstabilität beachten).

      sie kann kredit geben und damit geld verleihen. dieses geld muss sie aber nicht besitzen, etwa als einlage von kunden. sonst könnte sie ja immer nur genau das verleihen, was sie gerade von den sparern auch bekommen hat. so funktioniert aber heutzutage keine bank. die deutsche bank hat zB eine Eigenkapitalquote von unter 4% . deshalb würde heutzutage ja auch ein "bank run" funktionieren (und eine massive krise auslösen)


      und natürlich kann diese italienische bank nicht einfach 8 mrd euro drucken. sie kann geld schöpfen, indem sie kreditnehmer findet, die den kredit verzinsen.das geschöpfte geld aber findet sich ja nicht auf der habenseite der bank, sondern sie hat einen titel darauf erworben.

      das kreditbeispiel das du schilderst ist ja der optimalfall. und gilt auch nur für (produktiv) investierte kredite. sonst gäbe es keine platzenden blasen und keine finanzkrisen. und die finanzindustrie erfindet immer neue produkte. ein unternehmen kann den mehrwert mit einem kreditinstitut teilen. deren anteil des profits ist der zins. aber wenn ein schuldtitel hundertfach existiert, oder aber gleich in finazprodukte investiert wurde, so kommt doch der gewinn nicht aus der mehrwertproduktion
    • Nochmal: Bank/Geldkapital oder finanzielles Kapital (sachverhalt ist mE ungeklärt)

      zunächst zum Bankkapital:
      "Es gab Probleme mit den italienischen Banken. Die saßen auf »faulen« Krediten, also Darlehen, deren Rückzahlung kaum oder nicht mehr zu erwarten ist. Noch im Jahr 2009 war das kein Problem gewesen: Die Gesamtsumme der Kredite, deren Rückzahlung nicht mehr zu erwarten war, hatte damals in Italien rund 60 Milliarden Euro betragen – nicht wenig, aber für die Banken des Landes durchaus verkraftbar. Dann kam die Euro-Krise, und vor allem kamen die Kürzungsdiktate, die auch Italien verarmen ließen. Das trieb zahlreiche Kleinunternehmer in die Insolvenz und viele private Kreditnehmer wurden arbeitslos und/oder zahlungsunfähig. Die Folge: 2016 beliefen sich die faulen Kredite auf 360 Milliarden Euro, fast ein Fünftel aller vergebenen Darlehen überhaupt und dreimal so viel wie im EU-Durchschnitt. Das ist auf Dauer nicht mehr tragbar. Besonders stark betroffen war die Tradi­tionsbank Monte dei Paschi di Siena, die auf uneinbringlichen Krediten im Wert von rund 45 Milliarden Euro saß und dringend eine Kapitalaufstockung benötigte." (J. Kronauer)

      die bank hat also ihre lage gerade aufgrund von krediten bekommen. bis hierhin kann ich wals darstellung folgen. aber wir müssen hier vielleicht dem verständnis halber eine weiitere unterscheidung vornehmen. denn das Bankkapital unterscheidet sich vom heutigen finanziellen kapital (nicht Finanzkapital), dessen voragiges Instrument nicht der Kredit, sondern das Wertpapier ist. die Funktionsweise globaler Finanzmärkte ergänzt heute das Arrangement zwischen Unternehmen und Bank.
      Um das zu verstehen müssen wir den Zins (als teil des schon realisierten "vergangenen" Profits) von der Kapitalisierung unterscheiden (als Erwartung des künftigen, noch zu erarbeitenden Profits)
      mit shareholder value hat ein Wechsel stattgefunden, der eine hohe Rendite verlangt, die druck auf die Produktion ausübt und mittels „Finanzialisierung“ das Unternehmen zwingt, sich nach den erfordernissen der Finanzmärkte auszurichten.
      Gehandelt werden auf den Finanzmärkten aber Zahlungsversprechen. die Kapitalisierung ist die Höhe bzw der Wert dieser Erwartungen.
      als einer quasi Umkehrung des Zinses, weil dieser Wert zukünftig, nicht schon realisiert, ist. Das Zahlungsversprechen fragt somit danach wie profitabel ein Unternehmen zukünftg sein wird.
    • "Der Shareholder Value der Aktienunternehmen, d. h. der Transfer von Profit
      in Rente, befördert die Tendenz zur Stärkung des finanziellen Kapitals und seiner
      neoliberalen Regulationsmechanismen und forciert zugleich das oben angesprochene
      Auseinanderdriften von Profit- und Akkumulationsraten. Während
      industrielles Kapital oder Handelskapital seine Geschäfte u. a. über die Kalkulation
      der Zins- und Profitrate evaluiert (in Abhängigkeit vom Wettbewerb an
      den Input- und den Outputmärkten), bewertet das sog. Equity-Kapital seine
      Erfolge rein nach dem Parameter Rentabilität/Kapitalisierung, und dies vor allem
      in Abhängigkeit vom Wettbewerb an den Geld- und Kapitalmärkten. Diese beiden
      Arten der Profitibilität repräsentieren verschiedene soziale Relationen,
      generell sollte aber die erwartete Rentabilität eines Unternehmens höher sein als der
      durchschnittliche Zinssatz auf Wertpapiere am Markt.
      Hilferding ist in diesem Kontext Marxens Darstellung im Bd. 3 des Kapitals gefolgt, mit der Marx die
      objektive Obergrenze der Zinszahlungen an die Generierung von Profiten durch
      das fungierende Kapital bindet (distributive Funktion des Zinses) (...)
      Wenn Marx annahm, dass alle Renditen inklusive Zins und Dividenden aus den Profiten der
      Unternehmen bezahlt würden, die rein aus Produktionsprozessen resultieren,
      sodass die erwartete Rentabilitätsrate (Kapitalisierung) nie höher als die Profitrate
      des Unternehmens liegen könnte, dann sollte man doch vermuten können, dass
      die Marktkapitalisierung eines Unternehmens weit niedriger als der Wert des tatsächlichen
      in Produktionsprozessen eingesetzten (Eigenkapital und Fremdkapital)
      Kapitals liegt, eine Annahme, die heute für die großen Aktienunternehmen
      sicherlich nicht zutrifft." (A. Szepanski - Kapitalisierung Band II: 358f)

      A Propos:
      de.wikipedia.org/wiki/Liste_de…Ften_Unternehmen_der_Welt

      The post was edited 1 time, last by Raoul ().

    • Raoul wrote:

      "Der Shareholder Value der Aktienunternehmen, d. h. der Transfer von Profit
      in Rente, ....

      Hallo Raoul,
      deine Beiträge sind immer interessant und erfrischend! :thumbsup:
      Aber du hast vielleicht bemerkt, dass im Marxforum nicht nur Zitate zählen, sondern auch Daten und Fakten geschätzt werden.
      Wenn ich den obigen Gedanken richtig verstanden habe, dann funktioniert der "Transfer von Profit in Rente" ... allein oder vor allem durch Dividendenzahlungen der Unternehmen an ihre Aktionäre. Aber weder zahlen alle Unternehmen Dividenden, noch zahlen die "heißen" Unternehmen Dividenden. Zahlt Amazon Dividende? Was zahlt Apple, was Google? Ich habe keine Ahnung, aber einige Zweifel.
      Im Schnitt haben Dax-Unternehmen 2016 rund 4% vomAktienwert an Dividente ausgezahlt. Im Jahr 2016 sind die Aktienkurse aber um 15% gestiegen.Die Spekulation auf Kursgewinne bringt also (im günstigen Fall) deutlich mehrGewinn als die Dividendenzahlungen.

      Raoul wrote:

      befördert die Tendenz zur Stärkung des finanziellen Kapitals und seiner
      neoliberalen Regulationsmechanismen und forciert zugleich das oben angesprochene
      Auseinanderdriften von Profit- und Akkumulationsraten. Während
      industrielles Kapital oder Handelskapital seine Geschäfte u. a. über die Kalkulation
      der Zins- und Profitrate evaluiert (in Abhängigkeit vom Wettbewerb an
      den Input- und den Outputmärkten), bewertet das sog. Equity-Kapital seine
      Erfolge rein nach dem Parameter Rentabilität/Kapitalisierung, und dies vor allem
      in Abhängigkeit vom Wettbewerb an den Geld- und Kapitalmärkten.

      Ich habe den Eindruck, dass hier in den Finanzmärkten eine Rationalität gesucht und unterstellt wird, die gar nicht da ist. Von Rechts und vom Alltagsverstand kommt oft die Kritik, dass diese Finanzmärkte ein Spielcasino oder ein Pyramidenspiel und ein Kartenhaus sind. Ich sehe das ganz ähnlich. Wo auf Verkaufspreise spekuliert wird, wo Leuten windige Finanzprodukte, Immobilienfonds für Schrottimmobilien und geschlossene Schiffsfonds für Seelenverkäufer angedreht werden, wo selbst Großspekulanten den Handel mit Derivaten als "irrational" bezeichnen, müssen wir Linke nicht anhand der Marxschen Kapitalkritik nach einer inneren Rationalität suchen.


      Raoul wrote:

      Diese beiden
      Arten der Profitibilität repräsentieren verschiedene soziale Relationen,
      generell sollte aber die erwartete Rentabilität eines Unternehmens höher sein als der
      durchschnittliche Zinssatz auf Wertpapiere am Markt.

      Ich denke, das ist auch weiterhin der Fall - siehe die Dividendenzahlungen von 4%. Nur stammt der Profit von Banken nicht nur aus Dividenden und Zinsen und die Rentabilität von deutschen Kapitalunternehmen ist auch nicht der Maßstab, mit dem man den Profit von globalen Finanzinstituten messen kann. Anderswo winken industrielle Profite von 30 und mehr Prozent.

      Die folgende Grafik zeigt die amerikanischen Profite. Dort sind die Finanzprofite deutlich geringer als der industrielle Profit:



      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Hallo Wal,
      Es geht dabei natürlich nur um börsemnotierte Aktiegesellschaften. Während Microsoft, Apple und Intel eeine Dividende ausschütten, ist dies Amazon und Facebook nicht und bei Google Inc (noch) nicht der Fall.

      Aber eine Rationalität haben die Finanzmärkte natürlich schon. Unabhängg davon, dass dort auch Schrotthandel und betrügereien stattfinden, ist es gerade diese Rationalität, die heutzutage die gesamte kapitalistische Wirtschaft an- und vor sich hertreibt. denn über die Politik der austerität der staaten und shareholder value in den unternehmen ist das finanzielle kapital heute eines der mächtigsten mit gesamtwirtschaftlichem einfluss. aber die zukünftigkeit einer erwartung birgt natürlich immer ein risiko und insofern ein moment der spekulation. ein kredit muss nach lauzwit getilgt werden. ein wertpapier funktioniert da anders. meine hypothese wäre jetzt, dass die emission des wertpapiers eine ware , die ware geldkapital, schafft, die für den käufer den gebrauchswert hat, eine dividende abzuwerfen, für den verkäufer aber kapital schafft, mit dem er frei wirtschaften kann. die fiktivität des kapitals sagt nichts über seine realen möglichkeiten aus. eine spezfik der finanziellen ware ist die, dass sich die rentabilität immer erst in der zukunft erweist, weil es eben nicht auf der ebene der einzelnen ware operiert sondern auf deren gesamtheit basiert. es findet also eine finanzielle akkumulation statt, die zunächst keine deckung aufweist, und das versprechen liegt in der zukunft, wobei sicherlich schrott darunter ist und der zukünftig abgeschöpfte mehrwert auch nicht ausreichen wird. das bringt die notenbanken in die bredouille, diese papiere aufkaufen zu müssen und bereitet die nächste etappe der krise vor.

      bei marx finden wir im kapital, band III, eine hervorragende, über seine zeit weit hinausreichende analyse des fiktiven kapitals, aber diese entwicklung konnte er nicht vorhersehen. er ist wohl auch nicht mehr dazu gekommen, fiktives kapital als ware systematisch zu untersuchen, als ware, die für den einzelnen käufer wie gesamtgesellschaftlich zusatzkapital generiert.
      ich werde daher noch weiter suchen, auch um die von dir geschätzten fakten zum beleg zu finden..
    • Raoul wrote:

      Hallo Wal,
      Aber eine Rationalität haben die Finanzmärkte natürlich schon. Unabhängg davon, dass dort auch Schrotthandel und betrügereien stattfinden, ist es gerade diese Rationalität, die heutzutage die gesamte kapitalistische Wirtschaft an- und vor sich hertreibt. denn über die Politik der austerität der staaten und shareholder value in den unternehmen ist das finanzielle kapital heute eines der mächtigsten mit gesamtwirtschaftlichem einfluss.
      bei marx finden wir im kapital, band III, eine hervorragende, über seine zeit weit hinausreichende analyse des fiktiven kapitals, aber diese entwicklung konnte er nicht vorhersehen. er ist wohl auch nicht mehr dazu gekommen, fiktives kapital als ware systematisch zu untersuchen, als ware, die für den einzelnen käufer wie gesamtgesellschaftlich zusatzkapital generiert.
      ich werde daher noch weiter suchen, auch um die von dir geschätzten fakten zum beleg zu finden..
      Hallo Raoul,
      nach Daten und Fakten zu suchen, ist keine persönliche Marotte, sondern der Nachweis, dass wissenschaftliche Hypothesen und Theorien in der Lage sind, unser Leben und unsere Gesellschaft zu durchdringen und zu verstehen. Leider hast du dich zu diesen Daten und Fakten nicht geäußert:


      In der kapitalistischen "Leitwirtschaft" USA sind/waren die Finanzprofite ständig niedriger als der industrielle Profit - trotz Casino, trotz Betrug, trotz Spekulation, die in der Finanzwirtschaft um ein vielfaches häufiger sind als in der Industrie.


      Die Kritik am "Finanzkapitalismus" ist populär, weil diese Kritik auf alten und auch faschistischen Vorurteilen aufsetzt und aufbaut. Genährt werden diese Vorurteile vom Hass der Kleinunternehmer und der Häuslebauer auf ihre "mächtige Bank". Das war schon zu Lenins Zeiten so und ist auch heute noch der Fall.

      Und das einfachste Mittel dieser Kritik am Finanzkapital sind die ach so großenSummen, die hier bewegt werden. Da wird mit Milliarden und Billionen Euro nur so herumgeworfen, so dass es dem Otto Normalverbraucher mit seinen 2.600 Euro zum Monatsersten auf dem Konto Angst und Bange werden soll.

      Originalton Ernst Wolff:
      "Diese Finanzmärkte, inzwischen sieben bis zehn Mal so groß wie die Realwirtschaft, werden von einer winzigen Gruppe von ca. 2.500 Milliardären beherrscht. Während sie als Investoren von Hedgefonds, Banken, Versicherungen und transnationalen Konzernen bis auf wenige Ausnahmen im Verborgenen bleiben, sorgen hochbezahlte Manager dafür, dass ihr Vermögen unablässig wächst."

      Dass dieses "unablässig wachsende Vermögen" zum allergrößten Teil in bloßen Zahlen auf Papier besteht, die nur zum geringsten Teil in wirkliches Geld und in wirklichen Konsum verwandelt werden können, das bleibt bei dieser Kritik außer Betracht.

      Ernst Wolff behauptet, eine kleine Menschengruppe von 2.500 Milliardären soll "die Finanzmärkte beherrschen", während die "Finanzmärkte" die "Realwirtschaft beherrschen.
      Solche Kritik macht unsere kapitalistischen Wirtschaftsverhältnisse nicht durchsichtig, sondern vernebelt sie.

      Die Kernaussage der Kapitalismuskritik von Karl Marx heißt: Wir Menschen werden von den Märkten, das heißt von der Warenwirtschaft beherrscht. Die Leiter und Akteure der Warenwirtschaft sind die Kapitalisten. Die Kapitalisten unterteilen sich in besondere Arten (Industrielle, Kaufleute, Banker), die aber alle an einem Ziel arbeiten: Gemeinsam möglichst viel Profit aus der Lohnarbeit zu saugen. Wer den Kapitalismus verstehen will, muss also versuchen, das Funktionieren der Warenproduktion zu verstehen, um dann den Einfluss der Märkte und des Kapitals auf unsere produktive Arbeit zu beenden.

      Ernst Wolff behauptet: Eine winzige Handvoll Menschen beherrscht die globalen Märkte. Wer das meint, der muss versuchen, diese Handvoll Menschen zu verstehen - und sie nötigenfalls umbringen.

      Die Behauptung von Wolff hält aber der einfachsten Berechnung nicht stand. Rechnen wir einmal nach:
      Nehmen wir an, jeder dieser 2.500 Milliardäre in der Welt besitzt (hoch gerechnet) 2,5 Milliarden Euro. Das macht eine Summe von 6,25 Billionen Euro.
      Die globale Schuldensumme beträgt allerdings nach Angaben desselben Autors derzeit 200 Billionen Euro.
      Dieser dünne Dackelschwanz von 6 Billionen Euro soll also den globalen"Finanz-Dackel" mit 200 Billionen Euro "beherrschen"? Das glaube, wer will. Ich glaube das nicht.

      Viele Leute rätseln, wo und wie das "Finanzkapital" Profite machen kann, die den "normalen" Profit der "Realwirtschaft" deutlich übertreffen. Aus nationaler Perspektive gesehen ist dieses Rätsel auch nicht lösbar. In Deutschland und Europa sind Profite von 20% oder mehr tatsächlich märchenhaft.
      Märchenhafte Profite winken allerdings außerhalb der kapitalistischen Kernzone.

      Die britische Bank HSBC, einer der großen Finanzplayers in der Welt, macht drei Viertel seines Profits in Asien. Die Hongkonger Filiale von HSBC allein hatte im Jahr 2014 eine Profitrate auf ihr in Asien investiertes Kapital von 35%, aber außerhalb Asiens nur von 8%.
      Daten aus: The Economist, 05.09.2015

      Seit der Krise von 2008 galt es Links wie Rechts als ausgemacht, dass die „Exzesse des Finanzkapitals“ die Krise herbeigeführt hätten. Nach nun acht Jahren vergeblicher "Krisenbehebung" ist die Krise trotz aller Rettungsmaßnahmen wieder bei den Banken angekommen. Die griechische und italienische Bankenwelt hängt am Tropf der EZB, Die Deutsche Bank ist im Krisenmodus und auch die Commerzbank hat umfangreichen Stellenabbau angekündigt.
      Die FAZ bringt einen langen Jammerartikel über die Nöte der deutschen Großbanken.

      Aktuell gelten die Finanzinstitute als Opfer. Die Bösewichte sind nun ganz andere. Plötzlich gelten die US-Notenbank und die EZB mit ihrer Niedrigzinspolitik als Bösewichte - obwohl die so gut wie keinen "Profit" machen. Sogar Sahra Wagenknecht sorgt sich in der Jungen Welt:„ Ein solches Zinsumfeld untergräbt auf Dauer die Ertragsseite im traditionellen Einlagen- und Kreditgeschäft.“

      Niedrige Zinsen sind jedoch nicht Grund und Ursache der Krise. Niedrige Zinsen sind die Folge der Krise, sind die Folge von sinkenden Profiten und die Folge von sinkenden Investitionen.
      Die EZB und die US-Notenbank kann man wirklich nicht für die Probleme der Banken haftbar machen. Notenbanken schreiben den Privatbanken nicht vor, an wen und für wieviel Zins sie Kredite zu vergeben haben. Uns lohnabhängigen Privatkunden werden für Kreditkartenüberziehung auch 12 oder 14 Prozent Zinsen abverlangt - trotz Niedrigzinspolitik der Notenbanken. Von den Großkunden, den kapitalistischen Unternehmen, werden jedoch kaum neue Kredite nachgefragt, weil es kaum Felder gibt, die Gewinn versprechen. Diese Nachfrageschwäche für Kredite ist die Ursache für die Probleme der Finanzwirtschaft, nicht die Zinspolitik der Notenbanken. Die Schwäche der Banken erwächst aus der Schwäche der Profitmacherei.

      Der Kapitalismus herrscht nicht durch bewusste Absprache, sondern durch den anonymen Zwang, aus Geld mehr Geld zumachen. Gerade das fällt den der heimischen Industrie und noch mehr den Finanzinstituten gegenwärtig schwer.

      Von einer „Herrschaft des Finanzkapitals“ ist aus meiner Sicht weit und breit nichts zu sehen.
      Gäbe es „Finanzherrschaft“, dann wäre der allgemeine Zins, der Tribut an die Finanzwirtschaft hoch – das Gegenteil ist der Fall.
      Gäbe es „Finanzherrschaft“, dann würden internationale Banken florieren, und Industriekonzerne notleiden – das Gegenteil ist der Fall. Die kapitalistische Wirtschaft hat 2008 den größten Bankencrash seit Langem erlebt, von dem diese sich noch nicht wieder erholt haben.
      Gäbe es „Finanzherrschaft“, dann würde das globale Kapital vor allem in die kapitalistischen Zentren fließen, wo das Finanzkapital konzentriert ist – das Gegenteil ist der Fall. Die Kapitalströme fließen mehrheitlich aus der Kernzone in die Peripherie. Die kapitalistischen Zentren sind (mit Ausnahme von Deutschland) von Gläubigern zu Schuldnern geworden.
      Soweit meine empirisch gestützten Bedenken gegen die Theorie von der "Finanzherrschaft".

      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • das ist mir schon klar, nur versuche ich zunächst eine plausible hypothese aufzustellen, die sozusagen neuland ist, weil auch die meisten marxistischen theoretiker nicht schlüssig das funktionieren der finanzmärkte erklären können. diese theorie muss erst widerspruchsfrei sein, dann können wir nach empirischen befunden zu ihrer stützung suchen.

      und um ein für allemal allen mißverständnisse vorzubeugen, ich gehe
      1. weder von einer trennung von real- und finanzsphäre aus (was weder historisch noch strukturell möglich ist - wohl aber müssen wir es analytisch auseinanderhalten)
      2. von einer "schuld" der finanzmärkte aus (ausbeutung findet in der produktion statt und dies ist keine morallische frage. der finanzsektor ist eher der vorübergehende retter der krienhaften produktionsweise namens kapitalismus, der zum sündenbock gemacht wird, gerade um von der ausbeutung abzulenken)


      Frage: ist es bei deinem schaubild nicht so, dass die finanzprofite die der industrie überteigen?

      und, in diesem text von 2008 hast du viele richtige fakten zusammengetra
      gen:
      marx-forum.de/geschichte/welt/finanzwirtschaft.html
      Zitat 1:"Deutlicher noch als die Direktinvestitionen stiegen die Geldgeschäfte mit dem Ausland und die Finanzinvestitionen im Ausland"
      Zitat 2 "Der "gefühlte Reichtum" hat sich allerdings vervielfacht"
      die konsequenzen aber würde ich so nicht immer teilen:
      Zitat 3: "Der Großteil der aufgeblähten Kredite und "Finanzprodukte" beruht auf Illusion, auf unbeabsichtigter und beabsichtigter Täuschung"

      Eine Aantwort könnte nun sein: Eben nicht, sondern auf der logik einer kapitalinduzierten Akkumulation ohne VORHERIGE Produktion

      Diese These versuche ich nochmal zu erläutern, indem ich zwischen kredit und zirkulierenden kapitalwaren unterscheide, und ziehe dazu einen text von lohoff heran, der mir zumindest diskussionswürdig erscheint
      (Quelle: krisis.org/wp-content/data/ern…rtakkumulation-2014-1.pdf)

      Die Argumentation ist folgende:
      A
      wird geld verleihen, wird es dadurch zum geldkapital
      der profit verdoppelt sich nicht, das kapital aber schon
      weil der gebrauchswert auf beiden seiten existiert (sonst wäre es eine schenkung)
      bei Marx wird aus „derselben Geldsumme [...] Kapital für zwei Personen“. (MEW 25, S.366)

      B
      äqivalent ist dies aber nicht, denn
      1. ist die transaktion es zeitlich gestreckt
      und 2. wird aus geld mehr geld.

      C
      der gebrauchswert von kapitalmarktwaren ist einzig, aus geld mehr geld zu machen
      auch entsteht geldkpital erst mit seiner schöpfung, die hier der verkauf (!) ist, und verschwindet wieder mit der realisation,
      während gebrauchswaren in der poduktion entstehen und in der konsumtion verschwinden.

      D
      die akkumulationstheoretisch alles entscheidende Frage ist nun:
      Entsteht mit ihm ein selbstständiges Kapital, das eine eigene Bewegung vollführt und also auch gesamtkapitalistisch betrachtet zusätzliches Kapital darstellt, oder bleibt das Abbild ökonomisch passiv und hat keine Eigenbedeutung im Wirtschaftsleben?

      E
      das unterscheidet sich, je nachdem ob das geldkapital
      -> abhängig oder zirkulationsfähig ist:
      1. der kredit haftet an kreditnehmer, nimmt nur einfach am kreislauf teil
      2. das wertpapier aber, also die finanzmarktware zirkuliert selbständig
      als Folge --> existiert das ausgangskapital nun doppelt, und zwar vor allem innerhalb der kapitalistischen Ökonomie doppelt
      und man sieht ihm seine herkunft nicht an
      die zugrunde liegende entwicklung ist folgende:
      1.geld -> geldkapital -> ware 2. kapitalduplikate -> waren
      hier bricht marx darstellung im mew 25 ab
      und das heisst:
      ----> akkumulation kann wertakkumulation sein oder geldkapitalakkumulation

      F
      Fazit: "Mit der erfolgreichen Platzierung einer Ware 2ter Ordnung auf den Kapitalmärkten stellt sich künftiger Wert bereits heute als Kapital dar, und zwar gesamtgesellschaftlich betrachtet. Produktive Arbeit, die noch gar nicht geleistet ist und möglicherweise auch nie geleistet werden wird, nimmt Kapitalgestalt an.
      Kapitalbildung beruht hier also nicht auf Wertproduktion, sondern ist das Resultat von Wertantizipation"
      Also ist die zeitliche reihenfolge umgekehrt, geldkapital kann genutzt werden, weil es nicht produziert werden muss, sondern schon im tausch entsteht und dann eigenständig zirkulieren kann

      was meint ihr?
      .

      The post was edited 2 times, last by Raoul ().

    • Raoul wrote:

      Frage: ist es bei deinem schaubild nicht so, dass die finanzprofite die der industrie übersteigen?



      Hallo Raoul,
      nein, das ist nicht so. Die Profitrate (Hier: Profit als Prozentsatz vom BSP) ist übereinander aufaddiert.
      Der Gesamtprofit 2014 in den USA war 9% vom BSP - und NICHT 21%, wie du meinst.
      2014 war der industrielle Profit (dunkelgrün) 5,5%.
      Der Finanzprofit (hellgrün) im Inland war gut 1 % (6,6 minus 5,5). Im Jahr 2008 war er gleich null. ("2050" muss richtig 2005" heißen!)
      Der Auslandsprofit (rot) war 9 - 6,6 = 2,4 %.
      Diese Daten aus dem "Economist" sind komplett mit der Theorie von Karl Marx über den Zusammenhang und das Zusammenwirken von Geldhandlungskapital und industriellem Kapital vereinbar.


      Raoul wrote:

      Nur versuche ich zunächst eine plausible hypothese aufzustellen, die sozusagen neuland ist, weil auch die meisten marxistischen theoretiker nicht schlüssig das funktionieren der finanzmärkte erklären können. ... Eine Antwort könnte nun sein: ... auf der Logik einer kapitalinduzierten Akkumulation ohne VORHERIGE Produktion.

      Dann wünsche ich dir weiter Glück bei der Suche. Wenn es das gibt, was du suchst (Akkumulation ohne vorherige Produktion), wird es dich auf einen Schlag reich machen. (Früher nannten sie das "Stein der Weisen"). :rolleyes:

      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • aber du stimmst zu, dass bei einem kredit geld nur verliehen wird, während beim kauf/verkauf eines wertpapiers
      eine ware gegen eine andere getauscht wird, nämlich geldkapital gegen dieses wertpapapier, welches selbst handelbar ist,
      sich beide formen also fundamental voneinander unterscheiden und deshalb auch die erklärung für beide nicht dasselbe sein kann?
      ansonsten freue ich mich auf eine kritik am erwähnten lohoff text, der sich fast ausschließlich auf marx bezieht
    • Raoul wrote:

      aber du stimmst zu, dass bei einem kredit geld nur verliehen wird, während beim kauf/verkauf eines wertpapiers
      eine ware gegen eine andere getauscht wird, nämlich geldkapital gegen dieses wertpapapier, welches selbst handelbar ist,
      sich beide formen also fundamental voneinander unterscheiden und deshalb auch die erklärung für beide nicht dasselbe sein kann?
      Natürlich sind die zwei Sachen nicht gleich.
      Kredite werden da vergeben, wo Profite winken. Ein Kredit (abgesehen vom Konsumentenkredit) ist ein Vertragsverhältnis zwischen einem Geldkapitalisten und einem industriellen Kapitalisten. Der eine stellt Geld zur Verfügung, der andere sein Know-How. Die beiden werden quasi Genossenschaftler oder Teilhaber. Der Vertrag geht auf Teilung der Beute. In aller Regel ist der vereinbarte Zins nur ein Teil des erwirtschafteten Mehrwerts. Nur da, wo der Unternehmer schlecht wirtschaftet, kann der Zins den gesamten Gewinn oder gar noch mehr auffressen. Beide Teilhaber akkumulieren hier Kapital.

      Kommen wir zum Handel mit Wertpapieren.
      A kauft für 10 Millionen Euro Wertpapiere. Die 10 Millionen Euro muss er vorher besessen haben. Der Kauf selbst schafft keinen zusätzlichen Reichtum. Durch Kauf wird kein Kapital akkumuliert.
      A verkauft nun die Wertpapiere an B für 11 Millionen. Die 11 Millionen muss B vorher besessen haben. A hat zwar nun 11 Millionen, aber er hat sie nur, weil diese 11 Millionen dem B fehlen. Kauf und Verkauf akkumuliert kein Kapital.
      Dieses Pyramidenspiel kann scheinbar endlos so weitergehen, solange ein Dummer gefunden wird, der einen höheren Preis zahlt als sein Vorgänger. Aber alles, was der Verkäufer gewinnt, fehlt dem Käufer. Durch Kauf und Verkauf entsteht kein neues Kapital. Es wird nur Kapital umverteilt.
      Durch Wertpapiergeschäfte werden Werte übertragen - sie wechseln den Besitzer. Es werden keine Werte geschaffen - das geschieht nur durch produktive Arbeit.

      Diese Sache wird auch durch Kauf auf Kredit nicht anders. Nur dass sich dann bei den Gläubigern des letzten Käufers als uneinbringliche Forderungen anhäuft, was bei den Verkäufern als Gewinn erscheint. Es bleibt ein Nullsummenspiel.


      Raoul wrote:

      ansonsten freue ich mich auf eine kritik am erwähnten lohoff text, der sich fast ausschließlich auf marx bezieht
      Es ist schön, dass du mir diese Kritik zutraust, aber ich diskutiere lieber mit dir und deinesgleichen als mit "papierenen Menschen". Du antwortest und reagierst, ein Lohoff kann und will das nicht.
      Wenn Lohoff hier mitdiskutieren würde, würde ich auch auf seine Argumente eingehen.

      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • @ Raoul

      “Zunächst wäre zu klären, was „finanzkapital“ eigentlich bedeutet, denn bei Marx taucht der Begriff mE nicht auf.”

      Finanzkapital: F. ist das fiktive Kapital das an Finanzmärkten von Finanzkapitalisten gehandelt wird. Ausgangsbasis ist (freies) Kapital, das zur Verwendung als Kredit zur Verfügung gestellt wird. Wird der Kredit als Rechtsanspruch (mit Rückzahlungstermin und Preis/Zins) verbrieft wird er zum fiktiven Kapital. Werden die Rechtsansprüche (an Märkten) in der Form von Wertpapieren gehandelt, erhält das fiktive Kapital die Form von Geld, das aber im allgemeinen in der Finanzsphäre zum Zweck der realen Kapitalerweiterung bzw. der Vergrößerung der Kapitalakkumulation verbleibt und somit zu Finanzkapital wird.

      "Kapitalbildung beruht hier also nicht auf Wertproduktion, sondern ist das Resultat von Wertantizipation"

      Kapital bildet sich gewöhnlich über den Produktionsprozess, der ein Mehrprodukt hervorbringt. Das Kapital, das du hier meinst, nennt Marx das fiktive Kapital (s.o.). Es ist ein eigenständiges (fiktives) Geldprodukt und wird zu Finanzkapital, wenn es dazu beiträgt sowohl das Geschäft der Finanzinstitute, Finanzkapitalisten, zu bereichern und erweitern als auch auf Finanzmärkten dafür sorgt, dass produktive und andere Unternehmen ihre Kapitalbasis quasi risikofrei erweitern können (s.o). Kapitalisten der Produktionssphäre und Kapitalisten der Finanzsphäre bilden damit eine Symbiose, deren Hauptzweck es ist, durch Kreditausweitung das Wachstum anzutreiben und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, um damit schließlich die allgemein Kapitalmacht zu vergrößern. Mit dieser symbiotischen Zielsetzung aber unterwerfen sie unwillkürlich sowohl den gesamten gesellschaftlichen als auch den wirtschaftlichen Prozess den Mechanismen des Finanzkapitals.

      Das fiktive Kapital ist dessen ungeachtet aber immer an die Entwicklung der realen Kapitalakkumulation gebunden, über die es ja irgendwann zu realem Kapital gewandelt werden soll. Deshalb kann es auch keine von der Kapitalakkumulation gesonderte „Geldkapitalakkumulaion“ (was immer das sein soll) geben. Entfernt sich das fiktive Kapital über einen längeren Zeitraum zu weit von der realen Kapitalakkumulation oder dehnt es zu weit über der Wertproduktion aus, bricht das (Finanzkapital) System kurz über lang (vorübergehend) zusammen.
    • also ich glaub das mißverständnis ist folgendes ;) :
      das geld zum erwerb eines wertpapiers muss selbstverständlich schon vorhanden sein (es sei denn der käufer ist eine bank, dann wird eben geld geschöpft)
      aber der profit daraus satmmt eben - anders als beim zins oder handelsprofit nicht aus dem mehrwert.
      den handelsprofit hat wal hier erklärt, der zins ist der teil des mehrwertes, der als preis des geliehenen geldes angesehen werden kann, mit dem zB produktion vorfinanziert wurde, und aus deren profit wird er bedient.
      die rendite hingegen stammt nicht aus der mehrwertmasse sondern ist eben wertantizipation, ist versprechen auf zukünftigen gewinn nach der erwartung und risikoberechnung der finanzagenturen.
      kapitalisierung ist umgekehrter, in die zukunft verlegter zins.
    • und dem letzten satz von jialing würde ich zustimmen, sonst gäbe es ja keine entwertung und krise. trotzdem beharre ich darauf, dass die funktionsweise der modernen finance prinzipiell eine andere ist als die von zins und einfachem handel.(und auch ihre macht im klassenkampf, dass sie staaten und unternehmen zu bestimmten maßnahmen und politiken "zwingen" können). Natürlich kann es sein, dass das zukunftsversprechen nicht eingehalten wird (und im wesentlichen wird es dass auch nicht mehr). bei der krise 2008ff erlebten wir allerdings die rückkehr des staatsinterventionismus. somit geht der kreislauf der wertantizipation auf höherer stufenleiter weiter. der nächste noch größere krisenverlauf kommt sicher. nur werden dann die staatshaushalte nicht mehr ausreichen und die sparer enteignet werden (bislang wurden einlagen bei banken bis zu einer bestimmten höhe als sicher erklärt).
    • Rauol: "der profit daraus satmmt eben - anders als beim zins oder handelsprofit nicht aus dem mehrwert."

      Das hieße dann, dass sich der Zins auch als fiktives Kapital summierte. Es ist aber doch so, dass der Zins vom Gläubiger entweder während der Periode bis zur Rückzahlung des ausgeliehenen Kapitals direkt aus dem realisierten Mehrwert gezahlt wird oder ihn in der Form der Rückstellung mindert.
    • der zins ja, aber nicht der modus der finanzialisierung.

      nochmal mit anderen worten:
      Während beim Kredit das verliehene Geld für den Kreditgeber mittels eines Rechtsanspruchs auf Verzinsung und Tilgung eine zukünftige Geldvermehrung operationalisiert, wird beim fiktiven Kapital ein antizipierter Gewinn als ein Wertpapier festgeschrieben, das für den Käufer den Rechtsanspruch auf zukünftige Zahlungen enthält und zudem von ihm gehandelt werden kann. Während es im Kredit um die Potenz des Geldes geht, das beim Kreditnehmer als möglicher Profit fungiert, für den er einen Zins zahlen muss, geht es beim fiktiven Kapital um zukünftige Einkommen, die einem Wertpapier entspringen, welches der Investor für eine Geldsumme kauft, zu der sich die erwarteten Erträge, die das Wertpapier abwerfen soll, wie eine Verzinsung verhalten. Kreditnehmer wiederum treten hier nicht mehr als Schuldner auf, die an Geldmangel leiden, sondern als Emittenten von Wertpapieren - Anleihen oder Aktien -, die wiederum ein sich vermehrendes Vermögen darstellen, i.e. Teilhabe an der Kapitalmacht des Emittenten gewähren. Während ein Schuldner mit dem Kredit die Pflicht auf sich nimmt, Zinsen zu zahlen und Sicherheiten zu hinterlegen, gibt der Emittent eines Wertpapiers die Zusicherung, dass die Realisierung seiner Zahlungsversprechen in Zukunft funktioniert. Anstatt durch Kreditvergabe finanzielle Optionen für die Unternehmen bereitzustellen, verschaffen die Banken gegen Gebühren den von ihnen betreuten Unternehmen, die als Emittenten von Wertpapieren fungieren, Zugriff auf Geldmittel, damit sie ihre zukünftigen Projekte und Optionen erweitern können. Die Kreditwürdigkeit mutiert hier zu einer abgesicherten Bedingung, die mit dem Wertpapier gehandelt wird. Kreditgeber agieren am Kapitalmarkt nicht mehr als Gläubiger, sondern als Investoren, die Wertpapiere kaufen, um daran zu verdienen. Das gekaufte Wertpapier fungiert für den Käufer als ein Investment, das heißt als eine Summe Geldkapital, die im Wertpapier vergegenständlicht ist und verkauft werden kann. Wo der Gläubiger eines Kredits auf pünktliche Zins- und Tilgungszahlungen besteht, da ist beim Wertpapier die Auszahlung von Renditen (und die Rückzahlung der investierten Summe) Teil eines Investments, das anhand bestimmter Kriterien (Zinssätze,Vergleich mit anderen Wertpapieren) auf seine Robustheit als spekulative Kapitalanlage überprüft wird.
    • “Kreditnehmer wiederum treten hier nicht mehr als Schuldner auf, die an Geldmangel leiden, sondern als Emittenten von Wertpapieren - Anleihen oder Aktien -“

      Ich möchte gleich mal hier einhaken. Das ist eine Tautologie: Kreditnehmer sind Emittenten von Wertpapieren.
    • „Während beim Kredit das verliehene Geld für den Kreditgeber mittels eines Rechtsanspruchs auf Verzinsung und Tilgung eine zukünftige Geldvermehrung operationalisiert, wird beim fiktiven Kapital ein antizipierter Gewinn als ein Wertpapier festgeschrieben, das für den Käufer den Rechtsanspruch auf zukünftige Zahlungen enthält und zudem von ihm gehandelt werden kann.“

      Schon dieser Gedankengang ist verkehrt. Er unterstellt, es gäbe eine grundsätzliche Trennung zwischen Kredit und Wertpapier und übersieht den Zusammenhang.

      Ein Wertpapier kann es nur auf der Grundlage des Kredits geben und ein Kredit wird dann zum fiktiven Kapital, sobald er in einen handelbaren Rechtsanspruch, ein Wertpapier, verwandelt worden ist.
    • Für den Arbeiter und für die Arbeiterbewegung ist das "Finanzkapital" von untergeordneter Bedeutung.

      "Für den Arbeiter selbst ist es eine Angelegenheit von untergeordneter Bedeutung, ob jener Mehrwert, der das Resultat seiner Mehrarbeit oder unbezahlter Arbeit ist, ganz von dem industriellen Kapitalisten eingesteckt wird oder ob letzterer Teile davon unter den Namen Rente und Zins an dritte Personen weiterzuzahlen hat." Karl Marx, Lohn, Preis und Profit, MEW 16, 137.

      Die Kritik am Anwachsen des "Finanzkapitals" und an seinen "überproportionalen" Profiten entstammt nicht der Arbeiterbewegung und entspringt nicht aus Arbeiterinteressen, sondern entstammt dem innerkapitalistischen Streit um die gemeinsame Beute.
      „Es ist klar, dass eine andere Verteilung des Profits zwischen verschiedenen Sorten Kapitalisten, also Heraufsetzen des industriellen Profits durch Herabsetzung des Zinsfußes und umgekehrt, das Wesen der kapitalistischen Produktion in keiner Weise berührt.
      Der gegen das zinstragende Kapital als die ‚Grundform‘ des Kapitals gerichtete Sozialismus ist also ... selbst bis über die Ohren in dem bürgerlichen Horizont befangen.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert III, MEW 26.3, 459.


      Soweit die Kritik am "Finanzkapital" behauptet, dass die Finanzkapitalisten eine neue oder zusätzliche "Mehrwertquelle" entdeckt hätten, widerspricht das direkt und fundamental der Marxschen Kapitalkritik, die behauptet: "Aller Mehrwert - wie er sich auch verteile, als Gewinn des Kapitalisten, Grundrente, Steuer etc. - ist unbezahlte Arbeit." F. Engels, Rezension des "Kapitals", MEW 16, 212.

      Gruß Wal Buchenberg
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Handelskapital und Industriekapital

      1) Mit etwas Übung sind Zins-, Zinseszins- also etwas Exponential Rechnung oft viel einfacher als Textaufgaben mit Dreisatz. Ich unterrichte diese Thematik zur Zeit bei Gymnasiasten aus der 8en (ja achten !) Klasse.
      2) Ein Unternehmer (Quellen: Adam Smith, David Ricardo, Karl Marx, Friedrich Engels und heutige BWL, Makro- und Mikroökonomik) bezahlt gerne 5 Prozent Zinsen, wenn er mit dem geliehenen Geld 9 Prozent Gewinn machen kann.
      3) Wichtigste Quelle : AZUBIS zum Schuhverkäufer mit Hauptschule im zweiten Lehrjahr lernen in der Buchführung / Rechnungswesen :
      -- DASS DURCH KREDITAUFNAHME bei der Bank TROTZ Zinsen Verkaufsprodukte BILLIGER werden --, als
      a) wenn der Unternehmer mit seinem bischen Geld weiter wurschtelt wie bisher oder
      b) wenn der Unternehmer sich gierige Anteilseigner oder überflüssige Mitunternehmer reinholt, die eine höhere Rendite haben wollen als der Zinssatz der Bank. Diese Anteilseigener sind gieriger als die modernen Banken, die schon vor mehr als 500 Jahren GEGEN den WUCHER entwickelt wurden.
      — Man muss sich nur das traurige Beispiel von PROKON (erneuerbare Energien) angucken. Da gab es (leider !) nur minimalstes Fremdkapital und minimalsten Zins. Aber die kleinen Anteilseigner wurden von den Mainstreammedien aufgehetzt ihre Einlage ab zu ziehen. Und der gute Laden ging in die Brüche. KEINE Bank hätte so einen Blödsinn wie die naiven Anleger getan !
      4) Wer bezahlt die Zinsen ? ) Die Zinsen / Zinsezinsen werden aus dem zusätzlichen Gewinn (BWL) bzw aus dem mehr an Wirtschaftswachstum (VWL) bezahlt.
      5) Bei einem normalen Darlehn wird der Zinsanteil jedes Jahr geringer und der Tilgungsanteil höher. Und das trotz Zinseszinsen. Ein paar Kenntnisse über Baufinanzierung und Umgang mit Excel sind doch nicht so viel verlangt. Oder ?
      6) Ein Teil der Zinsen sind gar keine Zinsen, sondern dienen der Risiko Abdeckung, falls ein Kunde total zahlungsunfähig wird. Wenn man nur zwei Prozent solcher Kunden hat, muss dieser Ausfall durch einen höheren Zins abgedeckt werden. Dieser Zins ist also eine Risiko Gebühr.
      7) PRAXIS : Als Kleinstsparer möchte ich Zinsen als Entschädigung für meinen Konsumverzicht und evtl. höhere Zinsen, für das evtl. Risiko der Nichtzurückzahlung.
      Zinsen gibt es auch ohne Geld ! Wenn ich z.B. jemanden das Auto repariere, aber derjenige mir erst vier Jahre später einen Wintermantel schneidert. Für die vier Jahre, die ich friere, wären also noch paar andere Güter als nur der Mantel fällig, zB. etwas Unterwäsche. Wenn nach vier Jahren der Mantel und die Unterwäsche immer noch nicht da sind, wäre auch Entschädigung für die fehlende Unterwäsche in Form von vielleicht einem Winterschal fällig. Diese Entschädigung also der Schal wäre dann der mystifizierte Zinseszins.
      Zinsen kennt auch jeder Mieter einer Wohnung. Wenn die Jahresmiete (was ist das anderes als Zins ?) 10 Prozent des Wohnungswertes beträgt, aber der Bankzins nur bei 4 Prozent liegt, ist die Bank doch wesentlich fairer als der Vermieter, und ich kauf die Wohnung auf Kredit und spar die Wuchermiete. Man spricht oft und zu Recht vom Mietzins.
      8) Natürlich haben Banken schon Menschen in den Selbstmord und Firmen in den Ruin getrieben. Auch deren hohe Provisionen, kranken Vorstandsgehälter und teuren Glaspaläste wurden meist aus zu hohem Kreditzins und zu niedrigen Guthabenzins gezahlt.
      9) Zinsen entstehen also aus sogenannten Fremdkapital. Dieses Fremdkapital ist im Prinzip nichts anderes als Eigenkapital, dass durch Aufnahme NEUER Mitunternehmer, Gesellschafter,Komplementären, Kommanditisten, Genossen oder Aktionären entsteht. 10)Das einst so starke Japan macht seit über 20 Jahren Null Zins Politik ! Und ? Die Verschuldung - gemessen am BIP ist die höchste der Welt. Japan ist weltweit eines der wenigen Länder wo es KEINE Erhöhung der Wirtschaftsleistung mehr gab. Dafür ist die Arbeitslosigkeit in diesen 20 Jahren sehr gestiegen
      10)Das einst so starke Japan macht seit über 20 Jahren Null Zins Politik ! Und ? Die Verschuldung - gemessen am BIP ist die höchste der Welt. Japan ist weltweit eines der wenigen Länder wo es KEINE Erhöhung der Wirtschaftsleistung mehr gab. Dafür ist die Arbeitslosigkeit in diesen 20 Jahren sehr gestiegen