Trumps Wirtschaftspolitik

    • Trumps Wirtschaftspolitik

      Trumps Wirtschaftspolitik

      (Diese Analyse folgt im Wesentlichen dem verdienstvollen Blog von Michael Roberts)


      Trumps Ideen für mehr Wirtschaftswachstum gehen in vier Richtungen:
      1) Steuererleichterungen für Unternehmen und für Reiche;
      2) Staatliche Ausgabenprogramme im Wert von 1 Billion Dollar für Reparaturen und Modernisierung der Infrastruktur;
      3) Deregulierungen (Liberalisierung) von Bankgeschäften und von Arbeitsgesetzen.
      4) Antiglobalisierung

      Abgeschaut wurde dieses Programm teils von Ronald Reagan in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, teils von den „Wachstumsprogrammen“ Japans seit den 1990ern.
      Die „Reaganomics“ der 80er hatten tatsächlich einen Wachstums- und Profitschub für US-Unternehmen gebracht. Die japanischen „Abenomics“ sind kläglich gescheitert. Seit 2006 ist die innerjapanische Wirtschaftsleistung nicht mehr gewachsen.

      Betrachten wir Trumps Vorschläge im Einzelnen.

      Zu 1): Steuersenkungen für die Reichen
      Unsere (Staats)Linken sprechen nicht gerne darüber: Wer Wachstum will (und Staatslinke glauben an Wachstum als Lösung für das kapitalistische Elend), der braucht Investitionen und Investitionen werden vor allem aus Gewinnen finanziert. Ohne Gewinne keine Investitionen, ohne Investitionen kein Wirtschaftwachstum. Das ist im Kapitalismus ein einfacher Zusammenhang.
      Für die Unternehmen sind Steuern allerdings Abzüge vom Gewinn. Senkung der Unternehmenssteuern hat daher eine gewinnsteigernde Wirkung. Deshalb brachten Ronald Reagans Steuersenkungen für Unternehmen und für Reiche einen Wachstumsschub. Diese Wirkung ist aber inzwischen weitgehend verbraucht. Amerikanische Unternehmen habe eine offizielle Steuerrate von 35% ihres Gewinns. Durch verschiedene Steuerermäßigungen und Steuervorteile liegt jedoch die faktische Steuerrate bei 23 Prozent. Das liegt unterhalb der meisten Steuerraten in der kapitalistischen Kernzone. Im Jahr 1980 lag die maximale Besteuerung des Einkommens noch bei 70%. Von weiteren Steuersenkungen in den USA darf man also keine großen Sprünge und keine großen Wirkungen erwarten. Das Steuerpulver ist verschossen.

      Eine Ausnahme betrifft die Gewinne, die amerikanische Unternehmen im Ausland geparkt und gebunkert haben, weil sie dort wenige oder gar keine Steuern bezahlen. Apple hat zum Beispiel 181 Milliarden Dollar außerhalb der USA gebunkert. Apple müsste 60 Milliarden Dollar an die US-Finanzbehörden zahlen, wenn er diese Gelder in die USA zurückführen würde. Es wird vermutet, dass die großen US-Konzerne 1,4 bis 2 Billionen Dollar im Ausland gebunkert haben.
      Trump will nun durch einen einmaligen Steuererlass möglichst viel von diesen Auslandsmilliarden in die USA zurückholen. Als Einmalmaßnahme kann das vielleicht funktionieren. Andererseits beweisen all diese Milliarden, dass die großen Kapitalisten nicht unter Geldmangel leiden, sondern unter einem Überfluss an Kapital. Es ist ein Überfluss an Kapital, der nicht genügend profitable Anlagemöglichkeiten findet. Das ist die Wurzel der chronischen Krise in der kapitalistischen Kernzone. Und an diesem Überfluss an Kapital können Steuersenkungen für Unternehmen und für Reiche auch nichts bessern. Steuersenkungen vergrößern das überschüssige Kapital. Steuersenkungen machen den aufgehäuften Reichtum nicht profitabler.

      Zu 2) Staatliche Ausgabenprogramme
      Die amerikanischen Straßen und Brücken, die Stromtrassen, Wasserwege und Flughäfen sind längst marode. Im Durchschnitt ist das fixe Kapital in den USA fast 23 Jahre alt. Alles, was älter ist als 15 Jahre müsste eigentlich modernisiert, instand gesetzt oder ersetzt werden. Der amerikanische Ingenieursverein schätzt, dass bis zum Jahr 2020 mindestens 3 Billionen Dollar aufgewendet werden müssten, um auch nur die wichtigsten Reparaturen zu erledigen. Trump hofft nun, dass durch solche Reparaturen Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden können. Aber weder hat Trump das Geld für diese Programme, noch ist es für die Masse seiner Wähler eine wirkliche Alternative, wenn sie statt im Office zu arbeiten nun bei Straßenarbeiten Hand anlegen sollen. Die Hitler haben diese „Arbeitsbeschaffung“ nur durch Zwang und Hunger auf den Weg gebracht.
      Die japanische Regierung hat mit einem ähnlichen Programm wenig bis nichts erreicht. Die chinesische Regierung dagegen hatte in den letzten zehn Jahren nicht nur 1 Billion, sondern sogar 11 Billionen in die Verbesserung der Infrastruktur gesteckt.

      Zu 3) Deregulierung
      Das ist das klassische Programm des „Neoliberalismus“, das wir seit 30 Jahren über uns ergehen lassen müssen. Jeder kleine und jeder große Unternehmer klagt über Behördenkram. Jeder kleine und große Unternehmer will sich lieber auf „sein Business“ konzentrieren. Formulare, Anträge und Nachweise halten ihn von seinem Business ab. Da haben diese geplagten Kapitalisten ganz recht, dass ihnen dieser Behördenkram nicht nur Geld, sondern auch Zeit kostet. Deregulierung kann also die Gewinne und die Gewinnraten von Unternehmen steigern. Trotzdem gibt es keinen Automatismus, mit dem sich Deregulierung in höheres Wachstum umsetzt.
      Es gilt hier das selbe wie bei der Besteuerung: Deregulierung senkt die betrieblichen Unkosten, so wie eine Steuersenkung betriebliche Unkosten senkt. Wachstum entsteht jedoch nicht durch Unkostensenkung, sondern allein und vor allem durch Investitionen. Diese Investitionen werden nur kommen, wenn auch entsprechende Gewinne winken.
      Deregulierung verbessert möglicherweise die aktuelle Gewinnsituation von Unternehmen, aber Investitionen hängen nicht von aktuellen, sondern von den künftigen, den zu erwartenden Gewinnsituationen ab.

      Zu 4) Antiglobalisierung
      Seinen Wahlsieg hat Trump seinen Sprüchen gegen die weltwirtschaftliche Verflechtung zu verdanken. Diese Globalisierung ist allerdings ein jahrhunderte alter, säkularer Entwicklungsprozess des Kapitalismus. Dieser Entwicklungsprozess begann mit dem Zeitalter der Entdeckungen. Das war in Wahrheit ein Zeitalter der weltweiten Plünderung. Die europäischen Raubfahrer sind in alle Winde, zu allen Erdteilen und zu allen Küsten ausgefahren und haben mit der Waffe oder im Austausch für billigen Tand in die Schiffe geladen, was ihnen wertvoll schien: Gold, Elfenbein, Gewürze, Sklaven.
      Das war die Periode des Raubkapitalismus. Karl Marx nannte das auch „ursprüngliche Akkumulation“.

      Dann kam der Welt-Handelskapitalismus des 18. Und 19. Jahrhunderts. Die Briten zum Beispiel kauften Baumwolle, Tee und Seide in Indien und China und verkauften dort ihre Fertigwaren: Tuche, Bekleidung, Uhren, Geräte usw. Und jede kapitalistische Nation versuchte es den Briten gleich zutun. Das brachte zwei katastrophale Weltkriege über uns.
      Diese imperialistische Arbeitsteilung der Weltwirtschaft des 20. Jahrhunderts, wo die kapitalistische Kernzone in der Peripherie Rohstoffe und Halbzeuge einkauft und hochwertige Fertigprodukte dorthin zurückverkauft, diese Form der Arbeitsteilung ist schon Geschichte, auch wenn es unsere Linken noch nicht bemerkt haben.

      Für die heutige globale Arbeitsteilung des Kapitalismus verlieren nationale Grenzen und unterschiedene Volkswirtschaften immer mehr an Bedeutung. Während des Welthandelskapitalismus war der Handel global, die Produktion national. Der heutige Kapitalismus des 21. Jahrhunderts wirtschaftet nun zunehmend so, als wäre der ganze Globus eine einzige Wirtschaftszone, eine einzige Volkswirtschaft. Wir haben heute einen globalen Produktionskapitalismus.

      Der Buchautor John Smith (Imperialismus in the 21. Century“) schätzt, dass wertmäßig 80 Prozent des weltweiten Handels „is linked to the international production networks of Transnational Coporations“. Die UNCTAD schätzt, das „about 60 percent of global trade ... consists of trade in intermediate goods and services that are incorporated at various stages in the production process of goods and services...“

      Jeder kennt das Beispiel vom Iphone, das in “Silicon Valley” entworfen wird. In Asien werden die Einzelteile für rund 225 Dollar gefertigt und montiert. Dann wird es in die USA verschifft. Das macht noch einmal rund 85 Dollar Kosten. Dann wird es in den USA für 650 Dollar verkauft.
      Wenn Donald Trump nun behauptet: „Ich gehe hin und sorge dafür, dass Apple seine Computer und Iphons wieder in den USA produziert, und nicht in China!“, dann will Trump das Rad des Kapitalismus zurückdrehen.

      Das wird bei Apple und anderen betroffenen Unternehmen schwer knirschen, bei den Lohnarbeitern in den USA wird es Widerstand geben, wenn sie künftig zu „chinesischen“ Bedingungen arbeiten sollen (dies umso mehr, je mehr „Illegale“ des Landes verwiesen werden), und bei den Verbrauchern in den USA wird es lange Gesichter hervorrufen, weil die Verbraucherpreise deutlich steigen werden.

      Gruß Wal Buchenberg
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • In Englisch: Trump and Globalization

      Trump won his election victory due his rhetoric against the globalization. This globalization, however, is a century-old secular development process of capitalism. This development process began with the age of discoveries. This was, in truth, an era of global plunder. The European predators have gone out into all the winds, at all the continents, and on all the coasts, and have loaded into their ships - using weapons or exchange of cheap goods - which seemed valuable to them: gold, ivory, spices, slaves. This was the period of robbery capitalism. Karl Marx also called this "primitive accumulation".

      Then came the worldtrade-capitalism of the eighteenth and nineteenth centuries. The British, for example, bought cotton, tea, and silk in India and China, selling there their finished goods: cloths, clothing, watches, appliances, etc. And every capitalist nation tried to follow the British. That broughttwo catastrophic world wars over us.
      During the “imperialist” division of labor in the world economy of the twentieth century the capitalist core zone purchased raw materials and semi-finished goods in the periphery and sold high-quality finished products there, this form of division of labor is already history, even if our leftists have not yet noticed it.

      For today's global division of capitalism national boundaries are becoming increasingly irrelevant. During the worldtrade-capitalism trade was global, production was national. Today's capitalism of the 21st century works now increasingly in the whole world as a single economic zone, a single national economy. Today we have a global production capitalism.

      The book author John Smith (Imperialism in the 21st century) estimates that 80% ofthe world's trade is "worthy of the international production networks oftransnational corporations". The UNCTAD estimates that "about 60 percent of global trade ... in themanufacturing process of goods and services ..."

      Everyone knows the example of the Iphone, which is designed in "Silicon Valley". In Asia, the individual parts are manufactured and assembled for around 225 dollars. Then it is shipped to the USA. This again costs around 85 dollars. Then it is sold in the US for 650 dollars.
      When Donald Trump now claims, "I will go and make sure Apple is producing itscomputers and Iphons back in the US, not in China!", Trump wants to turn back the wheel of capitalism.

      This will be hard for Apple and other affected companies in the US. There will be strong resistance among US workers if they have to work in "Chinese" conditions (the pressure on them will growth with the eviction of more and more "illegals")
      Finally: Consumers in the US will be disappointed because consumer prices will rise significantly.

      Wal Buchenberg
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Hallo Wal,

      da hast Du einen interessanten Beitrag zur aktuellen Lage gefunden. Danke für Übersetzung und Ergänzung!
      Aus dem Text ergibt sich die Aufgabe, die Trumps Regierung lösen muss: Eine Situation schaffen, in der die US-Konzerne ihr überschüssiges Kapital in den (Wieder)aufbau einer starken Produktionsbasis im nationalen US-Rahmen investieren. Wobei eine hohe Automatisierung in der Wirtschaft anzustreben ist, um erträgliche Löhne zu gewährleisten.
      Die teilweise Abschottung gegen die Globalisierung kann hier den Rahmen geben. Steuersenkungen und Deregulierung können Impulse sein. Die Modernisierung der Infrastruktur wäre in einem solchen Projekt sinnvoll.
      Die Erhöhung von Zöllen und Einsparungen im Sozialsektor durch Ausweisung von illegalen Einwanderern (v.a. Ausgaben im Gesundheits- und Bildungssektor) können evtl. zumindest anfangs die Infrastrukturmaßnahmen finanzieren. Die Abschottung des US-Wirtschaftsraums durch Zölle u.ä. nach außen kann US-Unternehmen unter Druck setzen die politisch gewünschten Investitionen vorzunehmen, da sie ansonsten den US-Markt verlieren.
      Was tatsächlich passiert bleibt abzuwarten. Noch kann niemand sagen ob Trumps Positionen im Wahlkampf eine Mogelpackung oder ernsthaftes Programm waren.

      Gruß Wanderer
    • Wal, du schreibst, es dürfte vielen nicht passen, wenn im Zuge eines Neuaufbaus heimischer Industrie die Waren teurer werden. Wenn davon auszugehen ist, dass ein neuer Sozialismus/Kommunismus nicht zeitgleich und global auftreten wird, wären "sozialistischer Protektionismus" (Schweickart) und teurere Güter im Zuge einer Kommunalisierung der Produktion nicht ebenfalls eine Angelegenheit von der ein nachkapitalistisches Gemeinwesen ausgehen müsste? Vorausgesetzt es ist beispielsweise nicht möglich die Geldwirtschaft schon sehr früh abzuwickeln. Wäre eine Entflechtung der globalen Produktionskette, allein aus ökologischen Gründen, und um einen fairen Austausch der Kommunen überhaupt zu gewährleisten, nicht ohnehin notwendig?
    • Hallo Mario,

      Für Lohnarbeiter und Konsumenten der kapitalistischen Kernzone ist das Programm der Antiglobalisierung nicht attraktiv. Es bietet uns Produzenten chinesische Löhne, aber verlangt von uns als Konsumenten Luxuspreise. Der Kapitalismus steckt mit und ohne Globalisierung in der Sackgasse.
      Aus dieser Sackgasse kommt man mit kapitalistischen Mitteln (Produktion rückverlagern) nicht wieder heraus. Wer davon spricht, dass "Waren teurer werden" müssen, der denkt in Kategorien von Wert, Warenproduktion und Lohnarbeit.
      Ich sehe nicht, wie das irgendeine Besserung bringen soll.

      Ich hatte in meinem Text oben ausgeführt, dass die Kernzone des Kapitalismus zu Beginn die Peripherie mittels mehr oder minder offenem Raub ausgeplündert hatte. ("Ursprüngliche Akkumulation")
      Dann folgte der "globale Handelskapitalismus", durch den die Peripherie Rohstoffe billig lieferte um dann teure Fertigwaren zu kaufen. Die billigen Fertigwaren der Kernzone warfen millionenfach kleine selbständige Handwerker und Bauern in der Peripherie außer Arbeit.
      In diesen beiden frühen Epochen des Kapitalismus zog die Kernzone große wirtschaftliche Vorteile aus der "Globalisierung".

      Durch Kapitalexport gelangte dann zunehmend moderne Technik in die Peripherie, an der billigere Lohnarbeiter ausgebeutet werden. So gehen die Konkurrenzvorteile der Kernzone allmählich verloren. (Siehe dazu den folgenden Text über den Niedergang Großbritanniens)

      Diese dritte Stufe der Globalisierung, durch die die ganze Welt zum Produktionsstandort wird, wirft die Lohnarbeiter der Kernzone aus der Arbeit und macht mindestens Druck auf unsere Löhne. Das ist der Grund, warum hier die Leute gegen Globalisierung protestieren. Mit kapitalistischen Mitteln ist das nicht rückgängig zu machen.

      Die Leute müssen begreifen, dass die Globalisierung das aktuelle Gesicht des Kapitalismus ist, und dass man den Kapitalismus los werden muss.

      Wie eine aktuelle Analyse des Economist zeigt, ist die Globalisierung vor allem in der Kernzone unpopulär und in der Peripherie dagegen sehr populär.
      „Globalisierung ist eine positive Entwicklung“ sagen gegenwärtig in Frankreich nur 35%, in den USA 40%, in Großbritannien 46%, in Deutschland immerhin 60%.
      Aber in Singapur und Indonesien befürworten 70% die Globalisierung, in Thailand und Malaysia 75%, in Indien und in den Philippinen 85%, in Vietnam über 90%.

      In diesen Meinungen zeigt sich, welche Regionen von der Globalisierung mehr Vorteile und welche Regionen mehr Nachteile haben.
      Wenn ein Trump verspricht: Ich mache das wieder rückgängig!, so führt er sich nur als Don Quichote auf.

      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Der Niedergang der kapitalistischen Kernzone

      Dem Niedergang der USA ging der Niedergang Europas voraus. Dem Niedergang Europas ging der Niedergang Großbritanniens voraus. Alle diese Entwicklungen folgten aber einem und demselben Muster: Die Handelsbilanz des "führenden" Landes wird negativ. Aus einem weltweit führenden Produktionsland - einer Werkstatt der Welt - wird durch Kapitalexport eine kapitalistische Rentnernation. Spätestens dann setzt der Niedergang ein.

      Karl Marx verglich in seinem Artikel „
      Der britische Handel“ den britischen Import und Export der Jahre 1853 bis 1857 nach Größe und Art. Dabei stellte er fest, dass die britische Handelsbilanz negativ ist und dass vor allem aber koloniale Rohstoffe auf das europäische Festland exportiert wurden, die dann als Fertigwaren zurück nach England kamen. Beim Außenhandel spielt nicht nur eine wichtige Rolle, ob die Bilanz positiv oder negativ ist, sondern auch WELCHE Waren eingeführt und welche ausgeführt werden.


      „Diese Verluste (der Handelsbilanz, w.b.) rühren jedoch nicht von dem Überschuß des Imports über den Export her, sondern von dem besonderen Charakter eines großen Teils des Exports.

      Tatsache ist, daß die Hälfte der Wiederausfuhr aus ausländischen Rohstoffen besteht, welche zu Fabrikaten verarbeitet werden, die dazu beitragen, die ausländische Konkurrenz gegen die industriellen Interessen Britanniens zu verstärken, und die in gewissem Umfang den Briten in Form von Fertigwaren für ihren eigenen Verbrauch zurückgeliefert werden.“ MEW 12, 360. ...

      „Die Bedeutung dieser Feststellungen kann man noch besser ermessen, wenn man die von der Londoner "Times" in einem Finanzartikel zugegebene Tatsache beachtet, daß gleichzeitig mit dieser Vergrößerung des Wollexports aus dem Vereinigten Königreich auch der Import kontinentaler Wollfabrikate, besonders französischer, im Ansteigen begriffen war.“ MEW 12, 362

      England, die einstige „Werkstatt der Welt“ war also dabei, seinen Konkurrenzvorteil bei den Fertigwaren zu verlieren, weil es statt industrielle Fertigprodukte Kapital und Rohstoffe exportierte. Damit stärkte es die Konkurrenz im Ausland und untergrub die eigene Monopolstellung.

      „Ein für England wirklich beunruhigender Faktor, der aus den vorher genannten Feststellungen hervorgeht, ist jener, daß England anscheinend nicht in der Lage ist, im Inland ein ausreichendes Betätigungsfeld für sein riesiges Kapital zu finden; daher muß es in zunehmendem Maße Geld verleihen und, in dieser Beziehung, ähnlich Holland, Venedig und Genua zur Zeit ihres Niedergangs, selbst die Waffen für seine Konkurrenten schmieden. Es ist gezwungen, durch die Gewährung großer Kredite die Spekulation in anderen Ländern zu fördern, um für sein überschüssiges Kapital ein Betätigungsfeld zu finden und muß so seinen erworbenen Wohlstand aufs Spiel setzen, um das Kapital zu vermehren und zu erhalten. Indem es gezwungen ist, anderen Industrieländern große Kredite zu geben, wie etwa dem europäischen Festland, streckt es selbst seinen industriellen Rivalen die Mittel dazu vor, mit ihm ... zu konkurrieren ... Das ist der Preis, den England für seine kommerzielle und industrielle Überlegenheit zahlt.“ MEW 12, 364.

      England zahlte diesen Preis durch Kapitalexport, der seine Konkurrenten stark machte, im 19. Jahrhundert. Die USA und die anderen europäischen Nationen zahlten diesen Preis im 20. Jahrhundert. Nun kommt die Zeit des Niedergangs, wenn neu aufsteigende kapitalistische Länder und Regionen billiger und besser produzieren können als die alten Kapitalnationen.

      Gruß Wal Buchenberg
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Was ist in diesem Kontext, wenn es um brauchbare linke Alternativen geht, von Überlegungen zu einer Wachstumsrücknahme bzw. einer Postwachtumsökonomie (siehe hierzu die Überlegungen von Niko Peach) zu halten? In diesen Debatten wird dargelegt, dass wir uns von unserem derzeitigen - ökologisch unverantwortlichen - Wohlstandsmodell verabschieden müssten und es um eine regionalere, reparaturlastigere Wirtschaft ohne Wachstum ginge, die durch eine Halbierung der heutigen Arbeitszeit (inkl. möglicher Erhöhung des heutigen Mindestlohns) und einer größeren Verbreitung von Gemeingütern ("Commons") zu stemmen sein soll. Hierbei wird gemeint, dass Arbeiterkooperativen darüber hinaus wesentlich dazu beitragen würden den Wachstumsdrang zu verringern, da diese eher für den Bedarf und weniger für eine Marktexpansion wirtschaften würden.

      Oder ist das alles zu kurz gegriffen? Sofern es unter warenproduzierenden Verhältnissen keine zufriedenstellenden Lösungen gibt, und die bisherigen planwirtschaftlichen Überlegungen (aus meiner Sicht) nicht wirklich überzeugend sind, wäre die Frage inwiefern eine Forderung nach Kommunalisierung sinnvoll ist.

      Die Frage bleibt also: Ginge es nicht auch im Sozialismus um eine Rückverlagerung bzw. den Aufbau einer alternativen, ökologisch nachhaltigen "Industrie"? Oder kann es nur einen transnationalen Ansatz geben, wie einige Linke - vor allem jene aus dem wertkritischen Umfeld - behaupten? Falls ja, halte ich das für nicht sehr realistisch. Die Umweltfrage ist unter Beibehaltung der "globalen Arbeitsteilung" aufgrund des hohen Transportaufkommens ebenfalls ungenügend gelöst.

      Ich behaupte, ohne einen gewissen Konsumverzicht des "globalen Nordens", einer Regionalisierung der Produktion und einem Runterfahren des Transportaufkommens und des Energieverbrauchs als solche (was eine Infragestellung des heutigen "Industrialismus" bedeutet), ist keine langfristige zufriedenstellende Lösung zu finden.
    • Hallo Mario,
      solange es um Trumps Wirtschaftspolitik geht, hat das nichts mit „brauchbaren linken Alternativen“ zu tun.
      Und: Wenn wir über linke Alternativen diskutieren, dann geht es eben nicht um Wachstumsrücknahme, Postwachstum etc.

      Es gibt eine ganz einfache Unterscheidung:
      Wo ein Trump entscheidet, wo Kapitalisten entscheiden oder wo eine Elite entscheidet, dort handelt es sich niemals um eine emanzipatorische Alternative.
      Nur dort, wo die unmittelbaren Produzenten und Konsumenten selber entscheiden, bewegen wir uns in einem emanzipatorischen Umfeld.
      Wenn Konsumenten, deren Einkommen nicht am Existenzminimum liegen, sich bewusst entscheiden, höhere Preise für biologische Produkte oder „Fairtrade-Produkte“ zu zahlen, so ist das ganz in Ordnung und unterstützenswert.
      Wo Arbeiterkooperativen ihre Waren auf dem Markt für höhere Preise verkaufen und dafür „politische Käufer“ finden, so ist das unterstützenswert.
      Wo Lohnabhängige, deren Einkommen nicht am Existenzminimum liegt, kostenlose Dienstleistungen für andere erbringen („Ehrenarbeit“, „Care-Arbeit“ etc), so ist das unterstützenswert. Das ist alles unterstützenswert, so lange es freiwillig und selbstbestimmt geschieht und nicht von oben aufgezwungen wird.
      All das bewegt sich auch noch innerhalb der Warengesellschaft.

      Jenseits der Warengesellschaft, wenn gemeinsam entschieden und geplant wird, was konsumiert werden soll, und damit auch geplant wird, was produziert werden muss, dann tragen die gemeinsamen Produkte und Dienstleistungen kein Preisschild mehr. Dann gibt es auch keine „teuren Waren“ mehr.
      Was es dann noch gibt, ist ein produktives Spektrum von Ressourcen, von produktiven Kenntnissen und Fähigkeiten plus einem bestimmten Umfang von vorhandener (williger) Arbeitszeit.
      Alles, was innerhalb dieses gemeinsamen Spektrums liegt, ist möglicher – privater oder öffentlicher - Konsum.
      Alles, was außerhalb dieses gemeinsamen Spektrums liegt, ist so utopisch wie gebratene Tauben, die uns in den Mund fliegen sollen.
      Es besteht aber die begründete Hoffnung, dass die Grenzen dieses Spektrums deutlich über dem heutigen „Mindestbedarf“ liegen.
      Und etwas anderes als für Alle den „Mindestbedarf“ oder das „Existenzminimum“ deutlich zu übertreffen, hatte Karl Marx mit seinem Begriff „Überflussgesellschaft“ gar nicht gemeint.

      Einige unvollständige Beispiele:
      „Die erste naturwüchsige Form des Reichtums ist diedes Überflusses oder des Überschusses, der nicht als Gebrauchswert unmittelbarerheischte Teil der Produkte, oder auch der Besitz solcher Produkte, derenGebrauchswert außerhalb des Kreises bloßer Bedürftigkeit fällt. Bei derBetrachtungg des Übergangs von Ware zu Geld sahen wir, daß dieser Überfluß oderÜberschuß der Produkte auf unentwickelter Produktionsstufe die eigentlicheSphäre des Warenaustausches bildet. Überflüssige Produkte werden austauschbareProdukte oder Waren.“ Karl Marx, Kritik der politischen Ökonomie, MEW 13, 105

      „Aber diese stets rascher einander verdrängenden Erfindungen und Entdeckungen, diese sich in bisher unerhörtem Maße Tag auf Tag steigernde Ergiebigkeit der menschlichen Arbeit schafft zuletzt einen Konflikt, worin die heutige kapitalistische Wirtschaft zugrunde gehn muß. Auf der einen Seite unermeßliche Reichtümer und einen Überfluß von Produkten, den die Abnehmer nicht bewältigen können. Auf der andern die große Masse der Gesellschaft proletarisiert, in Lohnarbeiter verwandelt und eben dadurch unfähig gemacht, jenen Überfluß von Produkten sich anzueignen.“ F. Engels 1891, MEW 6, 599.

      „Die Geschichte scheint sich in dem Epigramm ... zu gefallen, daß gleichzeitig die arbeitenden Klassen revoltieren aus mangelnder Konsumtion und die höheren Klassen bankruttieren aus überflüssiger Produktion.“ Karl Marx, MEW 7, 294.

      „Die Millionen Arbeiter Großbritanniens haben als erste die reale Basis für eine neue Gesellschaft gelegt - die moderne Industrie, welche die zerstörenden Kräfte der Natur in die Produktivkräfte des Menschen verwandelte. Die englische Arbeiterklasse hat mit unbezwingbarer Energie, mit ihrem Schweiß und Verstand die materiellen Voraussetzungen dafür geschaffen, die Arbeit selbst zu adeln und ihre Früchte in solchem Maße zu vervielfachen, daß ein allgemeiner Überfluß ermöglicht wird.
      Indem sie die unerschöpflichen Produktivkräfte der modernen Industrie schuf, hat sie die erste Bedingung für die Befreiung der Arbeit erfüllt. Jetzt muß sie die zweite Bedingung hierfür verwirklichen. Sie muß jene Reichtum produzierenden Kräfte von den schmachvollen Ketten des Monopols befreien und sie der gemeinsamen Kontrolle der Produzenten unterwerfen, die es bis jetzt zuließen, daß gerade die Produkte ihrer Arbeit sich gegen sie wenden und sich in ebensoviele Instrumente ihrer eigenen Unterjochung verwandeln. Die Arbeiterklasse hat die Natur erobert; jetzt muß sie die Menschen erobern." Karl Marx, MEW 10, 126.

      Überflussproduktion gab es also schon in den ersten Anfängen der Klassengesellschaft. Und erst recht sahen Mitte des 19. Jahrhunderts Marx (und Engels) die Bedingungen für eine „Überflussgesellschaft“ als gegeben an.
      Nach diesem Maßstab ist heute dieser Überfluss erst recht und in größerem Maße möglich – auch und gerade, wenn wir mit ökologischen, naturschonenden und erst recht unsere eigene Gesundheit schonenden Verfahren produzieren und konsumieren.
      Was uns zu tun bleibt, ist diesen Reichtum „der gemeinsamen Kontrolle der Produzenten zu unterwerfen.“

      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Das hieße also Marx und Engels meinten mit "Überflussgesellschaft" nicht jenes (pseudo-)kommunistische Utopia unendlicher Ressourcen- und Konsumverfügbarkeit, sondern einzig eine Gesellschaft in der niemand in unter Mangel leiden muss?

      Du stimmst zu, dass es um natur- und gesundheitsschonende Verfahrende gehen muss. Es bleibt aber dabei, dass die heutige "globale Arbeitsteilung" und das damit zusammenhängede Transportsystem, vor allem der Flugverkehr und der individuelle Automobilverkehr, damit nicht vereinbar sind. Das Hoffen auf nicht-fossile Antriebe welche das gleiche Volumen an Mobilität ermöglichen sollen, ist ja auch eben nur das: ein Hoffen. Übersehen wird oft, dass nicht-fossiler Energieverbrauch oft zu einem Boomerang-Effekt führt (siehe Rebound-Effekt), der die angenommenen Einsparungen wieder zunichte macht.

      Ich weiß, das Öko-Thema ist Offtopic, aber es wird mir bezüglich möglicher postkapitalistischer Gesellschaftsvorstellungen viel zu selten diskutiert und ich finde es bezüglich des Themas "(Rück-)Aufbaus heimischer Industrie" passend (dass Trump auf Alt-Industrien setzt und den Klimawandel für Quatsch hält, ist mir bekannt).

      Wenn es also um eine Gesellschaft geht die jedem die gleiche Grundversorgung sicherstellen und obendrein den ökologischen Fußabdruck auf einem vertretbaren Niveau halten will, dann bedeutet dies einen Verbrauch von maximal 1.000 bis 2.000 Kilowatt pro Person (mehr zu dem Problem und mögliche Lösungen, siehe hier: neustartschweiz.ch/essay/die-2…e-1300-watt-gesellschaft/).

      Massentierhaltung, Unmengen an Elektrotechnik und ein hohes Transportaufkommen wie heute ist dann gar nicht machbar, die Produktion müsste dann notgedrungen weniger Güter ausstoßen und das Wirtschaften allgemein verstärkt regional stattfinden. Gerade in Europa und Nordamerika haben in den letzten 40 Jahren eine immense Deindustrialisierung durchgemacht. Ist das alles beachtend ein Konzept zur "Antiglobalisierung" im Sinne eines "Zurückdrehens" der "globalen Arbeitsteilung" nicht notwendigerweise ein ökosozialistisches Projekt?
    • Mario Ahner wrote:

      Das hieße also Marx und Engels meinten mit "Überflussgesellschaft" nicht jenes (pseudo-)kommunistische Utopia unendlicher Ressourcen- und Konsumverfügbarkeit, sondern einzig eine Gesellschaft in der niemand in unter Mangel leiden muss?
      Nein, das "niemand muss Mangel leiden" finde ich nirgends bei Marx. Davon ist Marx weit entfernt. Die Kurzfassung der Marxschen Gesellschaftsutopie hat immer die allseitig entwickelte Individualität zum Kern, nicht eine bestimmte Kalorien- oder Wattzahl:

      „Persönliche Abhängigkeitsverhältnisse (zuerst ganz naturwüchsig) sind die ersten vorkapitalistischen Gesellschaftsformen, in denen sich die menschliche Produktivität nur in geringem Umfang und auf isolierten Punkten entwickelt.
      Persönliche Unabhängigkeit auf sachlicher Abhängigkeit gegründet ist die zweite große Form, der Kapitalismus, worin sich erst ein System des allgemeinen gesellschaftlichen Stoffwechsels, der universalen Beziehungen, allseitiger Bedürfnisse, und universeller Vermögen bildet.
      Freie Individualität, gegründet auf die universelle Entwicklung der Individuen und die Unterordnung ihrer gemeinschaftlichen gesellschaftlichen Produktivität, als ihres gesellschaftlichen Vermögens, ist die dritte Stufe, der Kommunismus.
      Die zweite schafft die Bedingungen der dritten.“ K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 75.


      Mario Ahner wrote:

      Du stimmst zu, dass es um natur- und gesundheitsschonende Verfahrende gehen muss. Es bleibt aber dabei, dass die heutige "globale Arbeitsteilung" und das damit zusammenhängende Transportsystem, vor allem der Flugverkehr und der individuelle Automobilverkehr, damit nicht vereinbar sind. Das Hoffen auf nicht-fossile Antriebe welche das gleiche Volumen an Mobilität ermöglichen sollen, ist ja auch eben nur das: ein Hoffen. Übersehen wird oft, dass nichtfossiler Energieverbrauch oft zu einem Boomerang-Effekt führt (siehe Rebound-Effekt), der die angenommenen Einsparungen wieder zunichte macht.
      Das alles kann man mit einiger Sicherheit annehmen. Das alles sind aber keine Argumente GEGEN eine "gemeinsame Kontrolle der Produzenten". Es geht gar nicht darum, mit der kapitalistischen Arbeitsteilung zu konkurrieren oder darum, die kapitalistische Arbeitsteilung zu kopieren. Bei der gemeinsamen Kontrolle geht es darum, die Notwendigkeit der materiellen Produktion der kollektiven Intelligenz und dem kollektiven Willen zu unterwerfen, und sie ansonsten so einfach wie möglich und so kurzzeitig wie nötig zu erledigen.

      Mario Ahner wrote:

      Ich weiß, das Öko-Thema ist Offtopic, aber es wird mir bezüglich möglicher postkapitalistischer Gesellschaftsvorstellungen viel zu selten diskutiert und ich finde es bezüglich des Themas "(Rück-)Aufbaus heimischer Industrie" passend (dass Trump auf Alt-Industrien setzt und den Klimawandel für Quatsch hält, ist mir bekannt).

      Im Marx-Forum war das Thema noch nie offtopic. Und wenn du schon einen Plan hast für den "Rückaufbau heimischer Industrie", dann hast du mehr als ich. ;) Ich frage mich nur, wem du diesen Plan zur Beschlussfassung vorlegen willst. Wenn wir alle, die davon betroffen sind, (und deren Mitarbeit ja erforderlich ist), wenn wir alle über diesen deinen Plan entscheiden können, dann sehe sich diesem Plan mit Interesse entgegen! ;)

      Mario Ahner wrote:

      Wenn es also um eine Gesellschaft geht die jedem die gleiche Grundversorgung sicherstellen und obendrein den ökologischen Fußabdruck auf einem vertretbaren Niveau halten will, dann bedeutet dies einen Verbrauch von maximal 1.000 bis 2.000 Kilowatt pro Person...
      Diese "Gesellschaft, die jedem die gleiche Grundversorgung sicherstellen" soll, ist nicht die kommunistische Gesellschaft, für die ich arbeite und denke.
      Nochmals: Die "Überflussgesellschaft" fängt jenseits der Mindest- oder Grundversorgung an.
      Karl Marx: "Überfluss" ... ist die Form des Reichtums, "deren Gebrauchswert außerhalb des Kreises bloßer Bedürftigkeit fällt." (Kritik der politischen Ökonomie, MEW 13, 105)
      Solchen Überfluss gab es schon in den Anfängen der Klassengesellschaft: "Bei der Betrachtung des Übergangs von Ware zu Geldsahen wir, daß dieser Überfluß oder Überschuß der Produkte auf unentwickelterProduktionsstufe die eigentliche Sphäre des Warenaustausches bildet.Überflüssige Produkte werden austauschbare Produkte oder Waren.“ Karl Marx, MEW13, 105
      Ohne Überfluss ist eine kommunistische Gesellschaft undenkbar.

      Mario Ahner wrote:

      Massentierhaltung, Unmengen an Elektrotechnik und ein hohes Transportaufkommen wie heute ist dann gar nicht machbar, die Produktion müsste dann notgedrungen weniger Güter ausstoßen und das Wirtschaften allgemein verstärkt regional stattfinden.
      Das sehe ich so ähnlich. Aber weniger Güter heißt nicht "ärmer" und nicht "weniger Konsum", wenn diese wenigeren Güter höheren Gebrauchswert und längere Haltbarkeit haben.

      Mario Ahner wrote:

      Gerade in Europa und Nordamerika haben in den letzten 40 Jahren eine immense Deindustrialisierung durchgemacht. Ist das alles beachtend ein Konzept zur "Antiglobalisierung" im Sinne eines "Zurückdrehens" der "globalen Arbeitsteilung" nicht notwendigerweise ein ökosozialistisches Projekt?
      Die "Deindustrialisierung" in der kapitalistischen Kernzone wird ergänzt und aufgehoben durch die Industrialisierung in der Peripherie. Die Globalisierung ist nur ein Wegverlagern der Industrie (von Kapital), kein Rückbau der Industrie und schon gar nicht ein ökosozialistisches Projekt.

      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Dann scheinen die Leninisten ja wesentlich dazu beigetragen zu haben den Kommunismus in eine abstrakte Utopie des endlosen Überflusses verwandelt zu haben. Denn so sieht ja vielfach, und ich habe es bis dato ebenso derart verstanden, die gängige verbreitete Sichtweise auf den Kommunismus aus. Oft auf den Sanktnimmerleins-Tag verschoben, da gemeint wird, der notwendige materielle Entwicklungsstand wäre immer noch nicht erreicht (vermutlich warten sie darauf bis alles automatisiert ist oder es Replikatoren wie im Star Trek-Kommunismus gibt).

      Insofern ein sozialistisches/kommunistisches Gemeinwesen aber von einem kapitalistisch wirtschaftenden Ausland umgeben ist, wird dieses Gemeinwesen doch nicht umhinkommen einen gewissen Protektionismus zu fahren? Wäre in diesem Sinne nicht die Trump'sche Forderung die nationale Wirtschaft zu protegieren nicht auch etwas das ein kommunistisches Gemeinwesen tun müsste (auch wenn es hierbei mittelfristig nicht um Sozialismus in einem Land gehen sollte)?

      Der Aufbau einer regionalen, ökologisch nachhaltigen Industrie ist natürlich etwas, das von allen gemeinsam diskutiert und beschlossen werden muss. Zuerst kann ja nur mit dem gearbeitet werden was vor Ort auffindbar ist. Es stellt sich aber die Frage ob es soetwas wie ökologische Industrie überhaupt geben kann oder es nicht einer gewissen Reaktivierung des Handwerks bedürfte, wie bereits diskutiert als Franziska noch hier im Forum schrieb.

      Dass die Globalisierung einzig eine Wegverlagerung der Industrie ist und kein ökosozialistisches Projekt, ist mir bewusst. Ich sehe gerade, man kann meinen Satz dahingehend missverstehen. Ich wollte darauf hinaus ob ein Sozialismus mit ökologischem Anspruch nicht darauf aus sein müsste die derzeitige Verlagerung der europäischen und nordamerikanischen Industrie nach Ostasien und in den globalen Süden zu stoppen und regionales Wirtschaften zu fördern.

      Das wäre nicht mit dem wirtschaftspolitischen Programm der Trump-Administration gleichzusetzen, hätte aber eine ähnliche antiglobalistische Stoßrichtung. Mit dem Unterschied keine totale Abschottung zu fordern und dem Nationalismus eine Absage zu erteilen. Ich weiß hier natürlich nicht wie es um die industriellen Kapazitäten Deutschlands und Europas bestellt ist, ob eine Sicherstellung notwendiger Güter, und das obendrein anhand ökologischer Kriterien, möglich oder wie viel industrieller "Umbau" nötig wäre. Wäre interessant, wenn du dazu Daten hast.

      PS: Mit Sicherstellung einer gleichen Grundversorgung für alle meine ich keine Konsumgleichschaltung. Es ging mir um eine Mindestversorgung für alle. Wer wie konsumiert oder möglicherweise mehr, wenn er mehr Arbeit aufbringt, ist eine andere Frage. Das muss die Gesellschaft dann selbst beschließen. Es ging aber darum ob eine solche zufriedenstellende Grundversorgung auf (mittel-)europäischer Grundlage theoretisch machbar wäre ohne viel Importe aus dem kapitalistischen Ausland zu benötigen.
    • Hallo Wal,

      Du schriebst:

      "Durch Kapitalexport gelangte dann zunehmend moderne Technik in die Peripherie, an der billigere Lohnarbeiter ausgebeutet werden. So gehen die Konkurrenzvorteile der Kernzone allmählich verloren. (Siehe dazu den folgenden Text über den Niedergang Großbritanniens)
      [...]
      Diese dritte Stufe der Globalisierung, durch die die ganze Welt zum Produktionsstandort wird, wirft die Lohnarbeiter der Kernzone aus der Arbeit und macht mindestens Druck auf unsere Löhne. Das ist der Grund, warum hier die Leute gegen Globalisierung protestieren. Mit kapitalistischen Mitteln ist das nicht rückgängig zu machen.
      [...]
      Die Leute müssen begreifen, dass die Globalisierung das aktuelle Gesicht des Kapitalismus ist, und dass man den Kapitalismus los werden muss.
      [...]
      Wenn ein Trump verspricht: Ich mache das wieder rückgängig!, so führt er sich nur als Don Quichote auf."

      Die Beschreibung des historischen Vorgangs durch Dich und im folgenden Post durch Marx kann ich nachvollziehen. Dass die Motivation für das Vorgehens der Kapitalisten der Kernzone die Suche nach Anlagemöglichkeiten für ihr Kapital ist, kann ich auch nachvollziehen.
      Was ich nicht nachvollziehen kann ist, dass dieser Prozess immer stattfinden muss und nicht umgekehrt werden kann. Also das Trump, wenn er seine Wahlversprechen wahr macht, ein Don Quichote wäre. Was Trump und Wirtschaftsnationalisten letztlich ankündigen, ist die Anlagemöglichkeiten für Kapital im Ausland manipulieren zu wollen. Für kleine Nationen wie Dtl. und Japan, mit weniger wichtigem Binnenmarkt, wäre das schwierig. Für die USA mit dem wichtigsten Konsumgütermarkt der Welt wäre dies einfach(er). Sie können durch Handelsschranken für Produkte aus dem Ausland deren Absatz im US-Markt und damit generell verringern und so die Anlage von Kapital im Ausland unattraktiv machen. Was würde denn passieren, wenn das Kapital der großen Konzerne nicht mehr günstig im Ausland angelegt werden könnte? Das Wachstum würde stagnieren. Das tut es für die Kernzone ohnehin. Nur würde im Fall der Stagnation durch Wirtschaftsnationalismus die Sozialstruktur und Lebenswelt der Arbeiter in der Kernzone erhalten bleiben.

      Gruß Wanderer
    • Hallo Wanderer,
      ja, so fühle ich mich von dir verstanden.
      Ob Trump ein Don Quichote wird oder nicht, das hängt davon ab, wie viel Macht er als Staatsoberhaupt in Händen hat.
      Du hast auch recht, dass die USA als großer Wirtschaftsraum mehr Möglichkeiten hätten für eine nationalstaatliche Wirtschaft als ein kleines Land.
      Fakt ist jedoch, dass die Kapitalisten überall in der Kernzone ihr Kapital exportieren, weil sie im Ausland/in der Peripherie größeren Profit machen können.
      Wer immer versucht, das Kapital im eigenen Land zu halten, der muss erreichen, dass die Kapitalisten mit weniger Profit zufrieden sind. Sie müssten mit weniger Profit zufrieden sein, weil im eigenen Land die meisten Märkte gesättigt, das Lohnniveau höher und die Kapitalzusammensetzung höher ist, also die Profitrate niedriger ist.

      Ich denke, so ein Verzicht der Kapitalisten auf höhere Profite im Ausland ist quasi "gegen die Natur des Kapitals". Ein Hitler und ein Stalin haben eine gewisse Zeit lang den Kapitalisten ihren "nationalen Willen" aufgezwungen. Ein Trump hat nicht die Macht eines Hitler, und niemand Vernünftiges wünscht sich, dass er solche Macht bekommt.

      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.