Internetnutzung

    • Internetnutzung

      Die Informations- und Kontaktmöglichkeiten jedes Einzelnen nehmen durch das Internet zu. So wie die Informations- und Kontaktmöglichkeiten jedes Einzelnen schon durch den Buchdruck, durch das Telefon und durch das Auto zugenommen hat.
      Der soziale Druck, sich selbst über eine Gruppe, eine Schicht oder eine Klasse zu definieren, nahm dementsprechend ab. Die Bindungen an private Partner und an die Familie nehmen ebenso ab wie die Bindungen an eine politische Partei, eine Vereinigung oder gar an eine ganze „Nation“.

      Wer diese Individualisierung als „Vereinzelung“ diffamiert, sieht nur den politischen Verlust, nicht den historischen Gewinn.

      Ja, auch im Internet gibt es Gruppenbildung bis hin zu Ghetto-Kultur. Ich sehe darin allerdings ein „Fehlverhalten“, bei dem traditionelle Verhaltensweisen im neuen Medium und mit dem neuen Medium fortgesetzt werden.

      Ich bin nach wie vor „Internetoptimist“ und sehe im Internet eine technische Möglichkeit und Hilfe, um Hierarchien und Informationsmonopole zu beseitigen. Hierarchien werden überall da abgebaut, wo ich mich nicht mehr für oder gegen eine Person, sondern für oder gegen ein Thema/einen Sachverhalt entscheiden muss. Informationsmonopole werden überall da abgebaut, wo ich an Daten komme, die bisher "Privatbesitz" waren, und wo ich eine zweite oder dritte Meinung einholen kann.

      Aber es ist eben nur eine Möglichkeit, die ergriffen und benutzt werden muss.

      Die aktuelle Nutzung des Internets in Deutschland zeigt folgende Übersicht:



      Eine aktuelle Untersuchung über politische und wirtschaftliche Partizipation im Internet und über das Internet steht im Anhang.

      Gruß Wal Buchenberg
      Files
      • Internet.pdf

        (491.08 kB, downloaded 35 times, last: )
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Susanne Lang gibt in der PROKLA eine „kurze Geschichte des Internets“, die sich von Anfang bis Heute in einer „Inkorporation des Internet in kapitalistische Verhältnisse“ erschöpft.
      Von überschwänglichen linken Hoffnungen abgesehen – was war denn anderes zu erwarten? Das Internet war von Anfang an ein kapitalistisches Geschöpf. Ja, das Internet ist vor allem ein kapitalistischer Markt; Ja, die sozialen Netzwerke sind vor allem ein Markt privater Eitelkeiten. Und das soll es gewesen sein?

      Mindestens sollten wir Linke uns Gedanken machen, was sich durch das Internet an unserem Leben und in unserem Leben als Lohnabhängige, als Arme und als Rechtlose ändert.

      - Gab es etwa nicht den „arabischen Frühling“, einen millionenfachen Aufschrei und Aufstand gegen Bevormundung und Diktatur, der sich über und durch das Internet selbst organisierte?
      - Gibt es etwa nicht in China einen millionenfachen Guerillakampf der Internetuser gegen die enge staatliche Überwachung?
      - Spielt das Internet nicht eine große Rolle für die Bewegungsrichtung und die Bewegungsgeschwindigkeit der globalen Flüchtlingsströme?
      - Gibt es etwa nicht in den kapitalistischen Kernzonen einen großen Verlust an Einfluss und Reichweite der herrschenden Medien und der herrschenden Bürokratie, weil sich die Informationsquellen durch das Internet vervielfältigt haben?

      Ein F. Engels war der Auffassung, dass „die ‚treibende Seele‘ der Arbeiterbewegung ... überall in der Entwicklung der großen Industrie und deren Wirkungen“ liege. (Wohnungsfrage, MEW 18, 265).

      Gibt es keine Triebkräfte und Wirkungen des Internets auf die heutigen Emanzipationsbewegungen? Können sich die „kritischen SozialwissenschaftlerInnen“ der PROKLA diese Frage nicht auch stellen? Oder ist es zu viel verlangt, von "kritischen SozialwissenschaftlerInnen" mehr zu erwarten als nur einen trockenen Bericht über technologische Siege und wirtschaftliche Erfolge des Kapitals, - nämlich eine "Beschreibung der von der modernen großen Industrie geschaffenen Gesellschaftszustände"? (F. Engels, Wohnungsfrage, MEW 18, 285).

      Das Internet ist ohne Zweifel kapitalistisch und hat dennoch nicht bloß emanzipatorisches „Potential“. Das Internet hat längst auch emanzipatorische Kraft.
      Früher hieß es in der Arbeiterbewegung „Wissen ist Macht!“. Dieser Spruch war doppelt falsch. Er war falsch, weil im Kapitalismus nicht Wissen, sondern Eigentum Macht verschafft. Und er war zweitens falsch, weil mit diesem Spruch die „Wissenden“, die Intellektuellen, Macht über die Arbeiter- und andere Emanzipationsbewegungen beanspruchten. Wer Wissen hatte, fühlte sich zum Führer berufen. Wer kein Wissen hatte, sollte die Führung der "Wissenden" dulden und akzeptieren. Lenins Parteikonzept verkörpert ebenso ein Monopol an Wissen wie die sozialdemokratische und gewerkschaftliche Managementelite.

      Mit dem Avantgarde-Anspruch der "Wissenden", mit ihrem Wissensmonopol, macht das Internet Schluss. Wissen ist im Internet mehr oder minder frei zugänglich. Wissen als Ware wird im Internet verbilligt. Wissen als Privileg wird im Internet entintellektualisiert, popularisiert und vereinfacht. Das entwertet alle Ideologen und entzieht der Losung "Wissen ist Macht" allen Boden. Das Internet wirkt ebenso gegen Wissensmonopole wie gegen Dogmatismus. Das sollten wir nicht geringschätzen.

      Auch wenn man wie ich glaubt, dass die praktische Bewegung vor Ort – im Betrieb und im Stadtviertel - nur durch persönlichen, massenhaften Kontakt an Kraft gewinnt, - das Internet behält seine Bedeutung als Informationsquelle. Der Kontakt und die Kommunikation über das Internet ist und bleibt eine Vorschule jeder Bewegung.

      Gruß Wal Buchenberg
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Hallo Michael,
      ich weiß nicht, ob du den Artikel von Susanne Lang gelesen hast, den ich oben kritisiert hatte. Kritisiert hatte ich an ihrem Text, dass sie ganz eindimensional argumentiert: Die Kapitalisten entwickeln eine neue Technologie (die Eisenbahn, den PKW, das Flugzeug, das Internet), also ist diese Technologie ein kapitalistisches Produkt. Punkt. Und das ist alles?
      Dass es sich hierbei um kapitalistische Produkte handelt, möchte ich zuletzt in Frage stellen. Was ich in Frage stelle, ist die Eindimensionalität von (kapitalistischer) Absicht und (kapitalistischer) Wirkung. Die Absichten und die Wirkungen sind weder im Kleinen (im Privatleben) noch im Großen (in der Geschichte, in der kapitalistischen Ökonomie) deckungsgleich.

      Aus jeder technologischen und kapitalistischen Entwicklung entstehen soziale Wirkungen und politische Folgen, die vorher nicht bedacht, vorher nicht beabsichtigt und vorher nicht gewollt waren. Das gilt auch für das Internet.

      Ein aktuelles Beispiel ist die Europäischen Union, die ihren 60. feiert. Auch die Europäische Union ist ein kapitalistisches Produkt. Was damals beabsichtigt war, hat sich jedoch längst in Luft aufgelöst. Die Bedingungen von damals waren ganz andere als die Umstände von Heute.
      Wer trotzdem unterstellt, dass die EU in diesen 60 Jahren nur "von Sieg zu Sieg" eilte, der schreibt die herrschenden Klassen in Deutschland und Frankreich mächtig und uns alle ohnmächtig.
      So glaube ich auch: Wer im Internet nur "Kapitalismus" findet, der schreibt den Kapitalismus mächtig und uns alle ohnmächtig.
      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.


    • Im Jahr 2016 haben die Ausgaben für Internetwerbung die Ausgaben für Fernsehwerbung eingeholt. Alle anderen Werbeträger stagnieren oder schrumpfen seit Beginn des Internetzeitalters.

      In den USA kassieren Facebook und Google (YouTube) mehr als die Hälfte aller Ausgaben für Internetwerbung. Im Jahr 2017 erwartet Google Werbeinnahmen in Höhe von 10 Mrd. Euro.
      (Quelle: Economist, April 1st 2017, p 54)
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.