Konsum und Bedürfnisse

  • Ich bin gewiss kein Millionär. Doch auch als Hartzer bekommt man mehr Geld, als man zum bloßen überleben braucht.

    Da ja unter kapitalistischen Verhältnissen sowieso kein ethischer Konsum möglich ist, muss ich meine paar Groschen anderweitig loswerden.

    Mein Geld dient dem Aufbau des Sozialismus. Natürlich hätte ich auch ganz gerne einen neuen Gaming-PC. Aber ich weiß, dass alle käuflichen Produkte von

    Sklaven produziert werden, während mein Geld in den Taschen des Klassenfeindes landet. Wir Kommunisten sagen zwar, dass der Kapitalist ein Schwein ist.

    Aber dann sollten wir wenigstens versuchen, ihm nicht unnötig unsere Kohle in seinen Rachen zu werfen und sein verlogenes Spiel mitspielen.

    Wir haben nicht viele Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen. Im Gegenteil: Das kapitalistische System züchtet ständig neue künstliche Bedürfnisse.

    Wenn man in einer kapitalistischen Welt aufwächst, dann bemerkt man nicht, dass man ein geistloser Konsum-Zombie ist.

    Deswegen gebe ich einen großen Teil meines Einkommens linken Organistationen, die sich der Aufklärung der Menschen widmen. Ich möchte die Menschheit verändern,

    das ist mein dringendstes Bedürfnis.

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Comments 18

  • Naja, deine Botschaft bestand ja aus noch mehr als dem - was ich ja gerade kritisiert habe.
    Aber gut, so kann ich dir wohl recht geben. Da muss man sich - je nach Einkommenshöhe - schon überlegen, ob man nun auf die ganzen Genüsse des Lebens verzichten will oder einen Kompromiss findet, indem man noch irgendetwas vom Leben hat - dies ist kein Einwand, eher eine Wiederholung deiner Überlegung.
    • @pfeilregen
      Ich sage ja nicht, dass man freiwillig ein Bettlerdasein wählen soll. Natürlich muss man da einen Kompromiss finden. Aber um auf deinen vorherigen Beitrag zu kommen: Ich stehe nach wie vor dazu, dass die meisten Bedürfnisse unter kapitalistischen Bedingungen künstlich bzw. Luxusbedürfnisse sind. Wir können nicht zu 100% auf unseren Konsum verzichten, aber ich persönlich kann mich nicht mit gutem Gewissen dem Konsum hingeben. Denn letztendlich stellen wir als Arbeiteraristokratie zusammen mit der Bourgeoisie das Übel für das internationale Proletariat dar. Und solange die Arbeiteraristokratie nicht ihren parasitären Lebensstil einsieht und infrage stellt, positioniert sie sich offensichtlich auf die Seite der Bourgeoisie.
    • Nach der Logik muss jedes Bedürfnis, das über die basale Reproduktion hinausgeht, ein "Luxusbedürfnis" sein; nur was soll das Leben noch wert sein ohne kulturelle Entfaltung? Ohne Kunst und Genuss über das Notwendige hinaus?
      Oder worin sollen diese "künstlichen Bedürfnisse" bestehen? Ist das ein wissenschaftlicher Begriff, eine objektive Kategorie oder deine subjektive Bewertung, ab wann etwas als überflüssig gilt?
      Ich will hier noch einmal betonen, die Arbeiterklasse soll doch selbst entscheiden, ob sie über die notwendige Arbeit hinaus Mehrarbeit für "unnötige Bedürfnisse" aufbringen will oder lieber mehr Freizeit genießt. Deine Unterscheidung zwischen nötigen und unnötigen Bedürfnissen ist da doch ganz überflüssig.

      Du willst in deiner These der "Arbeiteraristokratie" eine qualitative Differenz zwischen Ausgebeuteten aufmachen, alle Lohnabhängigen der Industrieländer seien indirekte Ausbeuter der Arbeiter der Peripherie, sog. "internationales Proletariat". Das ist mal eine ordentliche Abstraktion, wo ich doch meine, dass alle Arbeiter ausgebeutet werden und diese Verhältnisse überall abgeschafft gehören. Was nützt eigentlich der Gedanke, dass die einen mehr bekommen als die anderen? Wo ist die Grenze zwischen deinen behaupteten Gruppen von Arbeiteraristokratie und internationalem Proletariat? Gibt es nicht auch in Deutschland oder Europa bitter arme und halbwegs wohl versorgte Arbeiter - falls sie ihren Job behalten können?
    • Hallo Nikotin, hallo Pfeilregen,
      Mein Senf zu eurer Debatte. Marx nannte alle Lohnabhängigen "grundsätzlich Arme", weil sie nicht über eigene Existenzmittel verfügen. Die Lohnabhängigen können gar nicht selbst entscheiden, wieviel sie konsumieren. Auch du, Nikotin, kannst nicht selbst entscheiden, ob du viel oder wenig konsumierst. Über den Umfang des Konsums der Lohnabhängigen entscheiden die Kapitalisten und ihre Sozialbürokratie. Sie bemessen den Lohn (bzw. den Lohnersatz) und die Höhe des Lohns entscheidet über den Umfang der Konsumtion. Eine abstrakte Propaganda zur Beschränkung unseres Konsums ist eine konkrete Propaganda zur Senkung des allgemeinen Lohnniveaus.
      Sorry für die schlechte Botschaft!
      marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_a/armut.html
      Wal
    • @pfeilregen
      Es ist schlicht unmöglich, dass die Arbeiterklasse für sich selbst entscheidet, wie viel sie letztendlich konsumiert. Dafür machen die materiellen Bedingungen (auf diesem Planeten) einfach nicht mit. Glaubst du wirklich, dass dieser Planet es sich leisten kann, wenn alle Menschen den selben Lebensstil verfolgen würden, wie wir es tun?! Wenn jeder ein eigenes Auto mit Klimaanlage hat, sich jedes Jahr ein neues Smartphone kauft, mehrmals mit dem Flugzeug verreist usw. ?! Wir leben schon jetzt über unseren Verhältnissen. Aber ich vergaß ja, dass du nicht an den Klimawandel glaubst. Genau so verhält es sich auch mit den Rohstoffen. Nicht alles wächst nach und nicht alles lässt sich recyclen.

      Zur Sache mit der Arbeiteraristokratie: Ich berufe mich hierbei auf Lenins Schrift "Der Imperialismus, die höchste Phase des Kapitalismus". Und er erklärt dort den Sachverhalt treffend.
    • @Wal
      Ich glaube nicht, dass wir Marx' Aussagen 1:1 auf die heutigen Umstände übertragen können. Denn seine Lehre nimmt keinen Bezug auf den menschenverursachten Klimawandel oder den Widerspruch zwischen den Peripherien und Zentren.
  • @pfeilregen
    Natürlich denke ich nicht, dass mit bloßem Konsumverzicht das System umgewälzt werden kann. Doch ich denke, dass Konsum in diesem System Geldverschwendung oder indirekt konterrevolutionär ist. Wenn wir dem Kommunismus näher kommen wollen, dann müssen wir die Menschen aufklären. Und um dies halbwegs effizient bewerkstelligen zu können, brauchen wir linke Medien die professionell an diese Sache herangehen. Das kostet natürlich Geld. Konsumverzicht (in diesem System) und finanzielle Unterstützung linker "Think-Tanks" sind zwei Seiten einer Medaille. Das ist meine Botschaft.
  • Du stellst deinen Kaufverzicht als Kampfmittel für Revolutionäre gegen das System dar. Aber da sowieso alle Produktionsmittel privatisiert sind, hast du gar keine Wahl als Güter von Unternehmen zu kaufen. Man unterstützt nicht das System, nur weil man (auch gut) leben will in den Verhältnissen, die nun gerade - mit viel Gewalt geschützt und durchgesetzt - gegeben sind.

    Leider muss man sich gerade unter Linken mit dem postmodernen Dogma auseinandersetzen, die Leute würden zu "künstlichen" Bedürfnissen manipuliert - künstlich, heißt überflüssige Bedürfnisse sind ein gedanklicher Unsinn -, sollten sich bitte mal zügeln. Ausgerechnet diejenigen (!), die den Reichtum erarbeitet haben (!), kriegen zu hören, sie sollen ihn nicht genießen und bitte in Sparsamkeit und Selbstgenügsamkeit verharren. Das ist nichts als Knechtsmoral, die seit jeher in jeder Klassengesellschaft existiert hat. Als ob die Arbeiter sich nicht selbst aussuchen sollten, wie viel sie konsumieren wollen - und ob sie für mehr Reichtum mehr arbeiten oder für mehr Freizeit auf Güter verzichten wollen. Leute, die in der "Konsum- oder besser noch Überflussgesellschaft" - wenn dies wahr wäre fürs Volk, dann hätten Kommunisten auf der rein ökonomischer Ebene viel weniger zu kritisieren - lauter künstliche Bedürfnisse entdecken, haben nie einen einheitlichen Begriff davon, also nehmen sich einfach privat heraus anderen vorzuschreiben, welche ihrer Bedürfnisse oder Güter unnötig seien. Konsumgesellschaft ist gerade das Ideal des Kommunismus, der Konsum von viel Reichtum ist erstrebenswert.