Alles wie gehabt

  • Im Feynsinn-Blog wurde dem politischen Gegner wieder einmal Dummheit unterstellt: „Wenn man diese Zusammenhänge nicht sehen will, ist es halt "heute völlig anders". Die Entwertung der Arbeit, die Konzentrationsprozesse, Automatisierung ("Rationalisierung", "Digitalisierung") und ein fatales Verhältnis von Kapital zu Arbeit sind Faktoren, die in den Büchern aus dem 19. Jahrhundert bereits erkannt und genannt wurden. Dieses Spiel wiederholt sich ständig, aber Kapitalhörige von liberal bis 'sozialdemokratisch' wissen nichts davon. Einige verzichten gleich ganz auf die Analyse und ergehen sich lieber in Phantasien, was sie nicht alles täten, wenn nur alle das Gute wollten.“ (flatter)


    Gegen diese Unterschätzung der politischen Gegner hatte ich eingewandt:

    „Nehmen wir mal an, die kapitalistischen Verhältnisse sind ein Flickenteppich von hellen und dunklen Stellen, von Blutlachen hier und Wellnessoasen dort, von Armut und Reichtum, Depression und Überschwang, Glück und Verzweiflung – und dieser Flickenteppich befindet sich noch in ständigem Fluss wie ein Kaleidoskop, an dem viele Leute drehen, aber jeder in eine andere Richtung und in einem anderen Tempo.

    Es finden sich daher genügend Belege und Tatsachen, die jede beliebige Meinung unterstützen. Mit dieser Annahme ist es fast unmöglich, irgendeinem nachzuweisen, dass er die Verhältnisse falsch sieht.

    Was vielleicht möglich ist, ist die Perspektive zu finden und zu kritisieren, von der aus jemand seinen Flicken oder auch den Teppich ansieht.

    Was noch möglich aber mühselig ist: so viel (wissenschaftlichen) Abstand zu suchen, dass der Flickenteppich seine Strukturen preisgibt und sich zu einem erkennbaren Mosaikbild zusammenfügt. Im Streit der Meinungen kommt auch das als weitere Meinung daher. Man lese nur die vielen Meinungen zum 200 Geburtstag des alten Marx.

    Was bleibt? Tun ist wirkmächtiger als Worte.“


    Das kam ziemlich schlecht an. (Flatter: „intellektuell bedauernswert“, „bedingungslose Kapitulation vor dem Geschwätz...“ etc.)

    Alles wie gehabt: Wer nicht zustimmt, wird niedergemacht. Die kritische Linke präsentiert sich unattraktiv.

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